Berlin : Sparmüll

Andreas Conrad

würde Sperriges gerne wieder gratis auf die Straße stellen Die Stadt, der Müll und der Tod – diese Kombination, einst von Rainer Werner Fassbinder ersonnen, vermag heute nur noch theaterhistorisch zu interessieren. Der Dreiklang der Gegenwart geht dagegen so: die Stadt, der Müll und das Geld. Ein nicht sehr ausgewogenes Dreiecksverhältnis, denn die Stadt ist weiter die Stadt, aber vom Müll ist zu viel da und vom Geld zu wenig. Ein gerade in Berlin selbstproduzierter Widerspruch, der leicht aufzuheben wäre, man blicke nur ein wenig in die Vergangenheit. Sperrmüll bringt man heute gratis selber weg oder man lässt ihn gegen einen Obulus abholen. Früher gab es ein Drittes, das irgendwann abgeschafft wurde: den Sperrmülltag, an dem man alles Überflüssige einfach auf die Straße stellte. Nicht nur für Kinder ein Tag der Freude: Spielzeugschränke wurden neu bestückt, was den Eltern nicht immer behagte, aber wer fragte schon danach. Auch manches Billy-Regal, nach Ende der Studentenzeit aussortiert, aber immer noch passabel, fand einen neuen Besitzer. Heute würde der Spanplatten-Veteran wohl einfach verfeuert – und zahlen müssen wir alle.

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