Berlin : „Spaß ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg“

Eine Reha dauert nur ein paar Wochen. Doch um gesund zu bleiben, müsste man eigentlich den Lebensstil dauerhaft ändern. Wie man das erreicht, erklärt der Rehawissenschaftler Wilfried Mau

Foto: promo
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Herr Mau, reicht eine meist dreiwöchige Reha aus, um den langfristigen Erfolg einer medizinischen Behandlung zu sichern?

Nach der stationären Behandlung einer akuten Krankheit oder einer Operation kann die Anschlussheilbehandlung wesentlich dazu beitragen, die Gesundheit eines Patienten wiederherzustellen. Bei chronisch Kranken, die ambulant versorgt werden, bevor sie in die Reha kommen – wie zum Beispiel Rheuma-Patienten oder Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung – sind zwar teilweise mehrjährige Verbesserungen festzustellen. Oft genügt die medizinische Rehabilitation, die ein niedergelassener Arzt alle vier Jahre verordnen kann, bei ihnen jedoch nicht, um den Gesundheitszustand nachhaltig zu verbessern. Bei ihnen geht es eher um eine dauerhafte Veränderung von Lebensgewohnheiten. Und für eine solche Mammutaufgabe reicht eine dreiwöchige Reha vielfach nicht aus.

Warum ist es denn in diesen Fällen so wichtig, dass die Betroffenen ihre Lebensgewohnheiten grundlegend verändern?

Der Lebensstil und die Gewohnheiten eines Patienten entscheiden über den langfristigen Erfolg einer medizinischen Behandlung und der Rehabilitation: Wenn Übergewicht und Bewegungsmangel Risikofaktoren für Erkrankungen wie beispielsweise Gelenk- oder Rückenprobleme sind, dann ist es notwendig, dass sich der Patient gesund ernährt und ausreichend bewegt. Sonst können die Beschwerden immer wieder auftreten.

Der Mensch ist bekanntermaßen ein Gewohnheitstier. Wie kann man einen krank machenden Lebensstil verändern?

Das ist ein sehr langfristiger Prozess. Wir alle wissen: Nur weil jemand sagt, dass wir unsere Gewohnheiten ändern sollen, tun wir das noch lange nicht. Ein Patient muss sich also darüber bewusst werden, dass er, wenn er gesund werden und bleiben will, seine Lebensweise korrigieren muss. Der Grundstein für eine solche Selbsterkenntnis wird bereits während der Reha gelegt: Information und Beratung zur gesundheitlichen Situation und zu Risikofaktoren sowie Schulungen, wie diese vermieden werden können und was man gegen Beschwerden tun kann, sind dabei wichtige Bestandteile.

Was ist ausschlaggebend dafür, dass die Patienten langfristig die Änderungen durchhalten?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass er positive Erfahrungen macht. Diese stellen sich dann ein, wenn er beispielsweise merkt, dass er durch die sportliche Betätigung fitter und kräftiger wird, dass vormals anstrengende Dinge für ihn nun weniger anstrengend sind. So ist es auch wissenschaftlich erwiesen, dass sich die Stimmung von chronisch Kranken, die deswegen an psychischen Einschränkungen wie depressiven Verstimmungen leiden, verbessert, wenn sie regelmäßig Bewegungsangebote nutzen.

Solche Hinweise appellieren eher an die Vernunft. Reicht das?

Nein. Die gesundheitsfördernden Maßnahmen müssen der jeweiligen Person Spaß bringen. Dass der ein sehr wichtiger Faktor ist, liegt auf der Hand: Man führt nur die Sportarten oder Übungen wirklich dauerhaft aus, die einem Freude bereiten. Deshalb sollten Patienten mit ihrem Arzt besprechen, welche Sportarten oder anderen Angebote für sie infrage kommen, und sich dann überlegen, welches davon ihnen gefallen könnte. Es sollte zudem etwas sein, das sie langfristig und vor allem auch regelmäßig in ihren Alltag integrieren können. Das bedeutet, bereits im Vorhinein mögliche hindernde Umstände und den Umgang mit ihnen zu konkretisieren: Wie weit ist die Sport-Einrichtung von meinem Zuhause entfernt? Wie verwirkliche ich meine Vorsätze, wenn das Wetter schlecht ist, wenn es regnet oder schneit? Und wie kann ich meinen inneren Schweinehund überwinden? Hier hilft es oft, wenn man sich fest mit dem Partner oder einem Freund verabredet, so dass man sich gegenseitig motivieren kann.

Wie viele Patienten zeigen nach einer Reha so eine langfristige Therapietreue?

Allgemein kann man sagen: Wenn Ärzte und Therapeuten in der Reha bereits frühzeitig die notwendigen Verhaltensänderungen thematisieren, ihre positiven Auswirkungen propagieren sowie über Angebote und Möglichkeiten informieren, orientieren sich mehr Patienten auch nach der Reha noch lange an den Vorschlägen. So bewegen sich laut Untersuchungen bis 80 Prozent der Patienten nach Abschluss der ambulanten oder stationären Maßnahmen mehr in ihrem Alltag und die Hälfte bis Dreiviertel der Behandelten tut hinterher regelmäßiger und intensiver etwas für ihre Gesundheit als vorher. Dies ist natürlich immer auch abhängig von den Lebensumständen des Einzelnen, von seinem Umfeld und seinem Beruf. So fällt es beispielsweise Fernfahrern naturgemäß schwerer, sich ausreichend zu bewegen und ausgewogen zu ernähren als Menschen anderer Berufsgruppen. Insgesamt ist es jedoch so, dass Reha-Nachsorgeprogramme dazu beitragen, den langfristigen Erfolg medizinischer Behandlungen zu sichern.

Wilfried Mau ist Direktor des Instituts für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Mit ihm sprach Magdalene Weber.

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