• SPD-Bundestagsabgeordneter Konrad Kunick lebt auf einem Campingplatz und will dort bleiben

Berlin : SPD-Bundestagsabgeordneter Konrad Kunick lebt auf einem Campingplatz und will dort bleiben

pen

"Sie haben doch einen klasse Berliner Sommer. Andere Menschen zelten doch auch". Da hat er natürlich Recht, und so könnte man geneigt sein, Konrad Kunick lediglich als einen Menschen zu betrachten, der mit Macht ins Freie strebt. Kunick lebt zurzeit in seinem Vorzelt und künftig in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz Kohlhasenbrück, und da will er auch bleiben. Auch im Winter.

Kunick, da war doch was? Ja, der. Konrad Kunick aus Bremen, SPD-Bundestagsabgeordneter, ehemaliger Bremer SPD-Vorsitzender und ehemaliger Bausenator, Arbeitssenator und Schifffahrtssenator an der Weser. Der Norddeutsche schöpfe Kraft aus "teutonischer Boheme", schrieb der "Spiegel" vor ein paar Jahren. Gemeint war die Tatsache, dass der Bundestagsabgeordnete während der Bonner Arbeitswoche in einem Wohnwagen auf dem Rheinbreitbacher Campingplatz nicht nur lebte, sondern dieses Leben auch genoss und überhaupt nicht daran dachte, sich dem Appartement-Dasein seiner Kollegen zu fügen. Nun ist er in Berlin.

Kunick, der Camper. Prompt ist er also auf einem Stück konzessionierter Wiese in Kohlhasenbrück gelandet. Immerhin, die Adresse ist Zehlendorf. Man könnte über die Frage philosophieren, dass der Volksvertreter durch sein Faible für frische Luft und gegrillte Würstchen womöglich mehr öffentliches Aufsehen außerhalb Bremens erregt hat als 1993 durch die Tubulenzen um seinen Bürgermeister Wedemeier und seinen anschließenden Rücktritt. Aber wo findet man schon einen Abgeordneten, der im Grünen haust. Und volksnah ist das auch. Grill statt Pinot Grigio. Kunick gibt sich auch sonst bescheiden, den Regierungsumzug hat er sich viel schneller und unaufwändiger denken können. Und zum Reichstag und zu seiner Fraktion Unter den Linden fährt er mit der S-Bahn. Sein Handy ist meist abgeschaltet.

Das Leben im Vorzelt täuscht freilich ein wenig. Es ist ein Notquartier. Vor zwei Wochen ist der letzte Wohnwagen des Parlamentariers Opfer eines Verkehrsunfalls geworden. Aber am Wochenende wird ihm ein neuer geliefert, und wenn das Wetter dann schlechter wird, womit gerechnet werden muss, kann Kunick also in Kohlhasenbrück wieder zwischen feste Wände ziehen. Propankocher, Gemeinschaftswaschraum, "ich bin eben ein Freiluft-Fan". Außerdem trägt er eine Neigung zum Wasser im Herzen. Selbst als Bremer Senator ist der Sozialdemokrat in manchen Jahren 1200 Kilometer gepaddelt. Jetzt hat er am Griebnitzsee ein Kajak liegen.

Der Norddeutsche weiß nach den milden Tagen in Bonn vielleicht noch nicht, wie kalt die Berliner Winter werden können (sein Wohnwagen hat natürlich Heizung). Aber ganz so schlimm ist das nicht. Am Wochenende ist er zu Hause im Wahlkreis 51 in Bremen. Und dort hat er ein Reihenhaus.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben