Berlin : SPD erobert den Osten

Außer für Klaus Wowereit und Harald Wolf reicht es für keinen Spitzenkandidaten zum Direktmandat. Grüne gewinnen fünf Wahlkreise

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Klaus Wowereit kann in diesen Tagen machen, was er will, anscheinend fliegt ihm alles zu. Der Wahlsieg seiner SPD war mindestens zur Hälfte seiner Popularität geschuldet, und auch das Direktmandat im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf 5 ging an ihn. Dabei ist Halensee nicht gerade eine sozialdemokratische Hochburg, und im Quereinsteiger Peter Schwenkow hatte die CDU einen ernst zu nehmenden Herausforderer aufgeboten. Am Ende waren es 360 Stimmen, die der Regierende Bürgermeister vor dem Musicalveranstalter lag. In Prozentzahlen ausgedrückt, liest sich das schon deutlicher. Wowereit kam auf 40,5 Prozent der Erststimmen, Schwenkow auf 38,7 Prozent.

Doch die sozialdemokratischen Kandidaten dominierten nicht nur wie ihr Anführer im Westen, auch im Osten schnitten sie überraschend gut ab. Die SPD gewann alle sechs Wahlkreise in Treptow-Köpenick und immerhin fünf von sechs in Mitte, auch in Pankow gaben sie den Ton an. Nie machte die SPD der PDS im Osten so schwer zu schaffen.

Wowereits Sieg im bürgerlichen Westen aber war ein ganz besonderer, nämlich ein Prestigeerfolg im Fernduell mit Friedbert Pflüger. Für den Spitzenkandidaten der CDU nahm der Wahltag schon mit den ersten Prognosen einen schlechten Verlauf, und das Ende hätte auch besser sein können. In seinem Wahlkreis Neukölln 3 reichte es für Pflüger nur zu einem zweiten Platz, deutlich hinter der Sozialdemokratin Petra Hildebrandt, nicht gerade ein politisches Schwergewicht in Berlin. Pflüger erhielt 33,3 Prozent der Erststimmen, Frau Hildebrandt holte 40,1 Prozent.

Nun ist Neukölln, abgesehen von den Siedlungsgebieten im Süden, schon immer schwieriges Terrain für die CDU gewesen. Pflüger hatte wegen seiner Termine in ganz Berlin wenig Zeit, sich um seinen Wahlkreis zu kümmern, seinen Ruf als von außen aufgedrückter Import wurde er nie so richtig los. So überraschend kam die Niederlage in Neukölln also nicht. Sie hatte dennoch Symbolcharakter. Denn Frank Steffel und Nicolas Zimmer, die parteiintern nicht zu seinen besten Freunden gerechnet werden, setzten sich jeweils als Direktkandidaten durch. Zimmer war im Tempelhof-Schöneberger Wahlkreis 8 erfolgreich. Steffel, Pflügers Vorgänger als Spitzenkandidat, gewann seinen Wahlkreis Reinickendorf 6. Für ihn war es ein kleines politisches Comeback. Im vergangenen Herbst war er mit seiner Kandidatur für das Abgeordnetenhaus gescheitert, ebenfalls in Reinickendorf, das gestern fast komplett an die CDU fiel. Von sechs Wahlkreisen gewann sie fünf, die SPD nur einen, durch Parlamentspräsident Walter Momper.

Das Gegenstück zum glücklosen Pflüger lieferte Mario Czaja. Wie schon 1999 gewann der CDU-Mann seinen Wahlkreis 5 in Marzahn-Hellersdorf, einen ansonsten von der PDS dominierten Bezirk. Die sechs übrigen Wahlkreise gingen allesamt an die Linkspartei. Es war nicht der erste Überraschungserfolg des jungen Kreischefs aus dem Osten. Bei den vorgezogenen Wahlen vor fünf Jahren hatte die PDS schon ihren besten Mann aufbieten müssen, um Czaja den Wahlkreis abzujagen. Gregor Gysi hatte damals knapp gewonnen.

Gysi trat diesmal nicht an. Sein Nachfolger als Spitzenkandidat der Linkspartei hatte in Lichtenberg leichtes Spiel. Harald Wolf gewann den Wahlkreis 6. zu seinen Gegnern zählte auch Marek Dutschke, der Sohn des früheren Studentenführer Rudi Dutschke, der für die Grünen angetreten war (in Lichtenberg ein wie erwartet hoffnungsloses Unterfangen, die Linkspartei gewann hier alle sechs Wahlkreise).

Nahezu perfekt lief es für Dutschkes grüne Parteifreunde im fusionierten Ost-West-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Hier haben die Grünen traditionell ihre Hochburg, und sie holten durch Heidi Kosche, Dirk Behrendt und Özcan Mutlu gleich drei Direktmandate. Auch im Prenzlauer Berg – den Wahlkreisen Pankow 6 und 8 – gingen die grünen Kandidaten als Sieger durchs Ziel. Die Spitzenkandidatin ging allerdings leer aus. Franziska Eichstädt-Bohlig, hatte in ihrem Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf 3 keine Chance gegen Ülker Radziwill von der SPD. Auch Martin Lindner, Spitzenkandidat der FDP, hatte im bürgerlichen Südwesten wie erwartet keine Chance. Das Direktmandat in seinem Wahlkreis 6 ging an den CDU-Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns. Und Lucy Redler, die Nummer eins der WASG, spielte die erwartete Statistenrolle im Wahlkreis Pankow 9, den Susann Engert von der SPD gewann.

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