SPD in Berlin-Reinickendorf : Wenn Politik Familiensache ist

Aleksander Dzembritzki will im Wahlkreis Reinickendorf für den Bundestag kandidieren. Dort saß auch sein Vater. Über eine Familie, in der Politik zum Alltag gehört.

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Ziel: Bundestag. Der SPD-ler Aleksander Dzembritzki will es seinem Vater nachtun und "vollprofessionell Politik machen". Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Ziel: Bundestag. Der SPD-ler Aleksander Dzembritzki will es seinem Vater nachtun und "vollprofessionell Politik machen".Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Ich bin stolz darauf, der Sohn meines Vaters zu sein!“ Das ist doch ein Wort. Aber manchmal ist es auch nervig, zumindest in Reinickendorf ständig gefragt zu werden, ob man mit Detlef Dzembritzki verwandt sei. Der 73-jährige Sozialdemokrat war Bezirksbürgermeister und Stadtrat, SPD-Landeschef und elf Jahre Mitglied des Bundestages. Als sich sein Sohn Aleksander politisierte und in jungen Jahren Genosse wurde, war es für den nicht einfach, sich den Vater zum Vorbild zu nehmen – und trotzdem eigene Wege zu gehen. Aber er hat es geschafft. Zumal der Papa schon einige Jahre im Ruhestand ist. So lässt sich jetzt eine kleine Familiengeschichte aus dem Norden Berlins erzählen, die Aleksander Dzembritzki in den Mittelpunkt stellt.

Er will im Wahlkreis Reinickendorf für den Bundestag kandidieren, aus dem sein Vater im Herbst 2009 aus Altersgründen ausgeschieden ist. Das wäre ein großer Sprung, denn erst vor sechs Jahren ist der Fachmann für Bildung und Sport in die Parteipolitik richtig eingestiegen – als Delegierter auf SPD-Landesparteitagen und Mitglied in der Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf. 2016 hat er für den Bezirksverband den Abgeordnetenhaus-Wahlkampf organisatorisch geleitet.

Der Vater ist im Bezirk noch immer sehr gut vernetzt

Jetzt würde er gern „vollprofessionell Politik machen“, begründet Aleksander Dzembritzki seine Entscheidung. Vater Detlef habe ihm zugeraten, die Jahre im Bundestag seien sehr spannend gewesen. Und er würde ihn im Wahlkampf natürlich mit Rat und Tat unterstützen. Im innerparteilichen Wettbewerb um die Wahlkreiskandidatur rechnet sich Aleksander auch gute Chancen aus, und von der immer noch guten Vernetzung des väterlichen Vorbilds im Bezirk hofft er profitieren zu können.

Der Neue. Der damalige Schulsenator Klaus Böger stellte 2006 Aleksander Dzembritzki als Leiter der Rütli-Schule vor. Foto: dpa
Der Neue. Der damalige Schulsenator Klaus Böger stellte 2006 Aleksander Dzembritzki als Leiter der Rütli-Schule vor.Foto: dpa

Im SPD-Kreisverband Reinickendorf sind alle Mitglieder aufgerufen, ihren Favoriten zu nominieren. Sechs Bewerber stehen zur Auswahl. Mitte März will der Kreisvorstand das Ergebnis der Basisbefragung verkünden. Politischer Platzhirsch in Reinickendorf ist allerdings der CDU-Kreisvorsitzende Frank Steffel. Ihm den Wahlkreis abzujagen, dürfte für jeden Sozialdemokraten schwer sein. Um wirklich in den Bundestag zu kommen, wäre ein vorderer Platz auf der SPD-Landesliste hilfreich. Dzembritzki will es versuchen, „aber das wird nicht einfach“.

Geprägt durch die politische Familie

Vor zehn Jahren ging der Name des 48-jährigen SPD-Manns schon einmal durch die Zeitungen. Da übernahm der Pädagoge, der vorher an einer Hauptschule in Lübeck tätig war, die Leitung der Rütli-Schule in Neukölln, die nach einem Brandbrief der Lehrer zum Symbol der Gewalt und des Integrationsversagens geworden war. Drei Jahre später, nach einer weitgehend erfolgreichen Reformarbeit, gab Dzembritzki den Posten wieder ab. Nach der Fusion mit einer benachbarten Realschule sollte deren berufserfahrene Rektorin die Leitung der neuen Gesamtschule übernehmen.

Seitdem beackert der ehrgeizige Sozialdemokrat verschiedene Felder. Er kümmert sich beruflich um die Ausbildung von Lehrern, leitet die DSV-Skischule in Berlin, ist Chef eines Kanu-Sportvereins in Heiligensee und mischt in der Bezirkspolitik mit. „Ich bin nun mal in einer Familie groß geworden, in der Politik zum Alltag gehört“, sagt Dzembritzki. Dies habe ihn sehr geprägt. Mit 16 Jahren bekam er das SPD-Parteibuch, nach einem Jahr als Austauschschüler in den USA. Das sei ein Schlüsselerlebnis gewesen. „Ein tolles Land, aber ohne soziale Sicherungssysteme.“ Kaum zurück, stellte er den Aufnahmeantrag. Wie der Vater, so der Sohn. Und wie der Sohn, so der Enkel. Auch Aleksander Dzembritzkis 20-jähriger Sprössling ist inzwischen in die SPD eingetreten.

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