• SPD-Politiker erhängte sich – ein Parteifreund fand ihn Landesgeschäftsführer Andreas Matthae nahm sich mit 35 Jahren das Leben. Als Pächter zweier Restaurants war er offenbar in finanzielle Nöte geraten

Berlin : SPD-Politiker erhängte sich – ein Parteifreund fand ihn Landesgeschäftsführer Andreas Matthae nahm sich mit 35 Jahren das Leben. Als Pächter zweier Restaurants war er offenbar in finanzielle Nöte geraten

Werner van Bebber,Ulrich Zawatka-Gerlach

Offenbar ist ihm alles zuviel geworden. Der SPD-Landesgeschäftsführer Andreas Matthae nahm sich in der Nacht zum Sonntag, erst 35 Jahre alt, das Leben. Ein Parteifreund, der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler, hat ihn in seinem Arbeitszimmer erhängt aufgefunden. Matthae hinterließ einen Abschiedsbrief. Die Berliner Sozialdemokraten reagierten geschockt. Und ratlos, denn es gab keine Anzeichen für eine Lebenskrise. Doch als Pächter der Restaurants „Piccolo“ und „Weinbotschaft“ in der Reinhardtstraße soll Matthae in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sein.

Mit der SPD-Landes- und Fraktionsspitze, die von seinen Problemen Wind bekam, wollte er nicht reden. Auf Anrufe und E-Mails reagierte er seit einer Woche nicht mehr. Auch die Post ließ er ungeöffnet. Wohl in der Angst befangen, den Job als Geschäftsführer zu verlieren, falls Vorwürfe über ein unlauteres Geschäftsgebaren öffentlich werden. Einige Parteifunktionäre zogen Parallelen zum Fall des früheren Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Kurt Neumann, der in den Neunzigerjahren als Rechtsanwalt in finanzielle – und in der Folge juristische – Schwierigkeiten geriet. Die Karriere in der SPD war damit beendet. Neumann spielt heute politisch keine Rolle mehr.

Als Matthae seine beiden Kneipen – beliebte Politiker- und Journalistentreffs – vor drei Wochen abgab, begründete er dies allerdings nur mit der „zeitlichen Belastung“ im neuen Parteiamt. Mit den Inhabern, den „StäV“-Wirten Friedel Drautzburg und Harald Grunert, sei alles geregelt. Der vormalige Mitarbeiter, Daniel Frenzel, übernahm den Pachtvertrag. Von geschäftlichem Ärger will Frenzel nichts gemerkt haben. Matthae sei ein „umgänglicher und bodenständiger Chef“ gewesen. Auch für Drautzburg stehen „Trauer, gepaart mit Entsetzen“, im Vordergrund. Der Gastronom, der in diesen Zeiten ohne Probleme sei, müsse erst noch gefunden werden. Trotzdem weiß Drautzburg über Probleme, die Matthae in den Tod getrieben haben könnten, nichts zu berichten. „Und wenn es sie gab – Matthae hätte sich helfen lassen sollen“, meinte der SPD-Abgeordnete und Rechtsanwalt Bernd Schimmler. Es sei gewiss nicht um Millionen gegangen.

Auf einmal erinnern sich viele Sozialdemokraten daran, dass Matthae nicht nur fröhlich und umgänglich war, plaudernd im „Piccolo“ sitzend, bei einem Bier der Marke „Tannenzäpfle“. Er sei auch „sehr sensibel“ gewesen, selbst den wenigen Freunden manchmal schwer zugänglich. Als Matthae 2002 das erhoffte Direktmandat für den Bundestag nicht erringen konnte, sei er wochenlang so depressiv gewesen, dass Sorge bestanden habe, dass er „Dummheiten macht.“ Diesmal ist es zu spät für jede Hilfe. „Die Berliner SPD verliert mit Matthae einen sehr engagierten, verantwortungsbewussten und talentierten jungen Menschen“, erklärte der Belriner SPD-Chef Michael Müller. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereitzeigte sich „betroffen und bestürzt“. Am Nachmittag traf sich der SPD-Landesvorstand zu einer Sondersitzung. Die SPD- Kreischefs, die Parteifreunde von der „Neuen Linken“ und im Netzwerk „N 21“, das jüngere SPD-Aktivisten vereint, reagierten fassungslos. Die SPD sei Matthaes Leben gewesen. „Alle fanden es gut, wie er die Arbeit als Landesgeschäftsführer engagiert anpackte“, sagte der SPD-Kreischef in Treptow-Köpenick, Karlheinz Nolte. „Ein Mann voller Ideen“, sagte die Vize-Landeschefin Iris Spranger. „Es ist unfassbar, es gab keine Warnzeichen“, sagte der SPD-Linke Frank Zimmermann.

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