• SPD-Vorsitz: Strieder hält seinem Konkurrent einen Platz als Stellvertreter "warm" - Borghorst will nur Chef werden

Berlin : SPD-Vorsitz: Strieder hält seinem Konkurrent einen Platz als Stellvertreter "warm" - Borghorst will nur Chef werden

Brigitte Grunert

Zwei Wochen vor dem SPD-Parteitag stellte sich der um seine Wiederwahl kämpfende Landesvorsitzende Senator Peter Strieder gestern demonstrativ mit seinen Wunschkandidaten für die Parteispitze der Presse und gab sich optimistisch für den Sieg. Seine Gegenkandidaten Hermann Borghorst vom rechten und Stefan Grönebaum vom linken Flügel wollen kein Führungsteam benennen, sondern dem Parteitag freie Hand lassen. Borghorst (52) wünscht sich nur "Verjüngung".

Strieder hält Borghorst einen Platz als Stellvertreter warm. Der gab ihm jedoch einen Korb. Er stehe als Parteivize nicht wieder zur Verfügung: "Ich bleibe ja stellvertretender Fraktionschef und wirtschaftspolitischer Sprecher." Strieder hofft auf Borghorsts Sinneswandel; er lobte seine Erfahrung als Gewerkschaftsführer, in der Partei-und "Kommunalpolitik". Grönebaum (38), der nicht auf dem Strieder-Ticket steht, ließ wissen, er hätte Strieder und Borghorst gern als Stellvertreter, Ex-Senator Klaus Riebschläger sei "sehr geeignet" als Landeskassierer. Riebschläger unterstützt Borghorst.

Der Parteitag am 15. Juli dürfte lange dauern. Schon allein bei der Wahl des Vorsitzenden mit mindestens zwei Wahlgängen gerechnet. Die Bundesspitze kümmert sich unauffällig um das Berliner Sorgenkind. Generalsekretär Franz Müntefering wird "ein Grußwort" sprechen. Kanzler Gerhard Schröder sei verhindert, heißt es im Willy-Brandt-Haus.

Strieder (48) hat Bundesministerin Christine Bergmann (60) und Borghorst zur Wiederwahl, als neue Stellvertreter Ex-Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (45) und das Nachwuchstalent Sven Vollrath (30) vorgeschlagen, neu für die Funktion des Landeskassierers den Reinickendorfer Stadtrat Thomas Gaudszun (45). Strieder und seine vier Kandidaten ließen die Frage, ob sie für die Landesspitze auch unter Borghorst oder Grönebaum kandidieren würden, mit dem Hinweis unbeantwortet, man erwarte keine Niederlage. Gaudszun meinte aber, er warte den Verlauf des Parteitages ab. Fugmann-Heesing kalauerte: "Wenn meine Oma vier Räder hätte, wäre sie ein Omnibus." Strieder sagte auch nicht, ob er sein Schicksal als Senator mit als Landeschef verbinde. Er führt die Partei seit Ende Januar 1999.

Alle fünf betonten, sie wollten die SPD zu neuer Geschlossenheit führen und inhaltlich voranbringen: "Wir haben den Anspruch, die SPD wieder zur stärksten Partei zu machen", so Strieder. Christine Bergmann stellt sich als Scharnier zwischen Landes- und Bundespolitik zur Wiederwahl; sie ist Präsidiumsmitglied der Partei und, so Strieder, "Sympathieträgerin". Sie selbst kritisierte, dass die politische Arbeit der SPD von der Personaldebatte "überlagert" werde: "Es ist nicht genug gelungen, klar zu machen, was die SPD geleistet hat".

Die nach der Wahl 1999 als Senatorin abservierte Fugmann-Heesing möchte, "was ich begonnen habe, nachhaltig in der Partei verankern", ihren Modernisierungskurs: "Strieder weiß, worauf er sich einlässt." Sie will auch "Motor" sein, Berlin als Stadt des Wissens zu profilieren. Die junge Generation habe "gerechte Ansprüche auf Chancengleichheit". Sie ist Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses im Abgeordnetenhaus und widmet sich beruflich der Modernisierung der Bundeswehr.

Vollrath stammt wie Bergmann aus dem Osten und steht für Verjüngung. Der Historiker meinte, die SPD brauche "neue und junge Gesichter". Gaudzun vom linken Flügel will Mittler zwischen Führung und Basis sein; er sei "in der Basisarbeit verwurzelt".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben