Berlin : SPD und CDU nennen endlich Namen

An diesem Montag stellen Wowereit und Henkel ihre Kandidaten für den Senat vor.

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Am Tag vor dem großen Tag ist es wie immer in den vergangenen Wochen: Wer etwas weiß über die neuen Senatoren des rot-schwarzen Senats, der schweigt. Wer nichts weiß, spekuliert ein wenig und wartet geduldig auf den Montagabend. Dann nämlich wollen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der CDU-Landes- und Fraktionschef Frank Henkel die Namen der künftigen Senatoren bekannt geben – in getrennten Veranstaltungen. Wowereit will Landesvorstand und Fraktion ab 16.30 Uhr im Abgeordnetenhaus informieren, Henkel zeitgleich den CDU-Landesvorstand und dann, auf einem sogenannten kleinen Parteitag, rund 100 Funktionäre der Partei.

Beide haben Überraschungen angekündigt. Das ist nicht schwer einzulösen, denn der Kreis der Personalberater um Wowereit und Henkel äußerst eng ist. Wowereit hat angeblich nur SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller einbezogen. Frank Henkel soll sich allein mit dem Chef der Südwest-CDU, Michael Braun, beraten haben. Braun schweigt wie ein Trappisten-Mönch, sobald das Gespräch auf die Besetzung der CDU-Senatorenposten und auf die Frage zusteuert, wer der nächste CDU-Fraktionschef werden könnte. Genauso mönchisch schweigen indes die anderen wichtigen Leute in der CDU-Führung, denn wer schweigt, kann doch immerhin theoretisch als enger Vertrauter Henkels gelten.

So schweben seit Tagen die gleichen Namen durch die Berliner Politik. Wer weiß, was aus Finanzsenaotor Ulrich Nußbaum und der als Arbeitsenatorin gehandelten Dilek Kolat wird? Starkes Intreresse gilt auf der SPD-Seite auch Bildungsverwaltung. Jürgen Zöllners politisches Ziehkind Doris Ahnen war „im Gespräch“, wie es heißt – und hat erstmal abgesagt. Im Gespräch mit der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ sagte sie: „Ich bleibe in Mainz.“ Es folgt ein spannender Punkt: Ein Grund für Ahnens Entscheidung dürfte im geplanten Zuschnitt der Senatsverwaltung liegen, der Wissenschaft und Forschung trennt. Das wiederum hat Wissenschaftsministerin Annette Schavan kritisiert. Angeblich sollen Henkel und Wowereit über das Problem noch mal sprechen. Fehler, die „in der Hitze der Verhandlungsnacht“, wie es heißt, gemacht worden sind, könnten über den noch zu beschließenden Geschäftsverteilungsplan des Senats korrigiert werden. Und dann könnte das Amt auch für Ahnen wieder interessanter werden.

Das ist Spekulation. Ob und, wenn ja, wie sich die beiden Ober-Unterhändler noch über Forschung und Wissenschaft ins Benehmen setzen, war am Sonntag offen. Eine andere gesprächsweise benannte Kandidatin hat indes ihren Kandidatinnen-Status dementiert: Eva-Maria Stange, Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag und von Beruf Lehrerin. Stange weiß nichts von einem Angebot des Regierenden Bürgermeisters, wie sie dieser Zeitung bestätigte. Da bleiben die unbestrittenen Namen: Müller für Stadtentwickung, Henkel für Inneres. Es bleibt Potenzial für Überraschungen. Und für Streit.

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