Berlin : Speisung für die Ärmsten

Das Obdachlosencafé „Treffpunkt Matthäus“ braucht Unterstützung

Uta Falck

Der Saal ist freundlich-gelb gestrichen, karierte Vorhänge in warmen Rottönen hängen vor den Fenstern. Ein riesiger Wandfries mit biblischen Motiven schmückt die Längsseite – ein Kunstlehrer hat ihn mit seinen Schülern gestaltet. An dem Dutzend sechseckiger Tische sind alle Stühle besetzt.

Jeden Mittwoch öffnet die Matthäus-Gemeinde in Steglitz ihren BethelSaal für die ganz Armen zum „Treffpunkt Matthäus“. Etliche von ihnen haben nicht einmal ein Dach über dem Kopf, deshalb nennt die Gemeinde das Angebot auch Obdachlosencafé. Während die Bedürftigen sitzen, schwatzen und essen, hantieren die Helferinnen hinter der Theke. Die überwiegend älteren Frauen kochen Tee und geben Essen aus. Einige der Ehrenamtlerinnen setzen sich auch zu den Café-Besuchern.

„Die Leute kommen zu uns, weil wir uns auch mit ihnen beschäftigen“ sagt Gerhard Poser. Der 69-jährige Gemeindekirchenrat und Wirtschafter kümmert sich auch um die Finanzierung des Obdachlosencafés, das seit acht Jahren immer von Oktober bis Ostern geöffnet ist. Bislang wurde es von einem Sponsor finanziert. Doch für den kommenden Winter fehlen 3200 Euro, um die sich die Gemeinde nun über die Tagesspiegel-Spendenaktion „Menschen helfen!“ bemüht.

Aus allen Stadtteilen reisen die Bedürftigen an, nur zwei der Besucher stammen aus der Steglitzer Nachbarschaft. „Hier habe ich nette Gesellschaft und kann in der Kirche sein“, sagt Ingeborg Höhne, die von einer kleinen Rente und Sozialhilfe lebt. Seit vier Jahren fährt die 77-Jährige jeden Mittwoch von Schmargendorf zur Matthäus-Gemeinde. „Drei Viertel der Besucher sind Männer, 15 bis 20 Prozent haben keine Wohnung“, sagt Gerhard Poser.

Poser, der in der Matthäuskirche konfirmiert wurde, koordiniert auch den Einsatz der insgesamt 15 Helferinnen. Um die Mittagszeit holen sie preiswerten Eintopf aus einer Krankenhauskantine und Kuchen vom Vortag aus einer Bäckerei, dazu noch ein wenig Obst vom Händler. Bis 14 Uhr decken sie die Tische und teilen Psalmverse aus, die von manchen Besuchern gesammelt und zuweilen heftig diskutiert werden. Um 17 Uhr schließen die erschöpften Helferinnen den Saal.

Ohne Spenden wäre das Café ausschließlich auf die Sammlung der Berliner Tafel e.V. angewiesen. Deren Lebensmittel-Spenden sind jedoch nicht planbar und so passiere es, dass die Ärmsten der Stadt manchmal vor leeren Tellern sitzen. Das möchte Poser seinen Besuchern nicht antun.

Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“

Konto-Nummer 25 00 30 942 bei der Berliner Sparkasse, Bankleitzahl 100 500 00. Online-Banking ist möglich. Bitte notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion

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