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Spenden versickert : FU-Skandal: Jetzt schaltet sich der Rechnungshof ein

Nach dem Spendenskandal an der FU Berlin fordern die Grünen eine bessere Kontrolle beim Fundraising. Die CDU aber sagt: Manches macht sich erst später bezahlt. Aufklärung soll wohl eine Rechnungshofprüfung bringen.

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Auf der Homepage der FU wird für die Ehemaligenvereinigung geworben, auch steht dort: „Die Friends of Freie Universität Berlin und Alumni haben die Sanierung des Henry-Ford-Baus finanziell unterstützt.“ Dabei ist dies laut einem Präsidiumsbericht falsch – die Freie Universität (FU) hat stattdessen einen Millionenskandal. Statt Geld einzuwerben, wie es ihre Aufgabe gewesen wäre, kosteten die teuren „Freunde“ jahrelang welches. Wie berichtet, kam das jetzt ans Licht. Nun steht ihnen dem Vernehmen nach eine Rechnungshofprüfung ins Haus.

„Das Controlling auf Verwaltungsebene hat offenbar völlig versagt“, kritisierte die grüne Bildungspolitikerin Anja Schillhaneck am Sonnabend. „Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, genau zu prüfen, ob eingesetzte Mittel auch wirklich für die Zwecke ausgegeben wurden, für die sie gedacht waren.“ Schließlich werde dort mit Steuergeldern gearbeitet. „Fotos von einem Galadinner sind eben kein Mehrwert“, so Schillhaneck.

Der CDU-Politiker Michael Braun ist sich da nicht so sicher. „Wenn so etwas gute Kontakte bringt, kann es sich auf anderen Wegen auszahlen, ohne dass sich dies in Zahlen ausdrücken ließe“, so Braun. Die Freie Universität habe in den vergangenen 15 Jahren Sensationelles auf die Beine gestellt. „Es geht nicht nur ums Fundraising, sondern auch um die Akquise guten Personals“, so Braun. „Selbst wenn das etwas kostet – es bringt Renommee.“ Die Buchhaltung müsse natürlich stimmen. Er wisse aber aus eigener Erfahrung, dass Fundraising-Dinner mitunter weniger einbrächten, als das Essen gekostet habe.

Laut dem internen Bericht des Uni-Präsidiums hatte die FU seit 2003 mehr als eine Million Euro an die „Friends of Freie Universität“ nach New York überwiesen – dabei hätte es umgekehrt sein sollen. Die New Yorker Adresse der "Freunde" soll jetzt geschlossen werden. Mit ihr nicht zu verwechseln ist das Verbindungsbüro der FU in New York, das ähnlich wie die Büros in Neu-Delhi, Peking, Moskau und Kairo nicht dem Einwerben von Spenden, sondern akademischen Zwecken dient.

Seit dem Wechsel des früheren FU-Präsidenten Dieter Lenzen an die Uni Hamburg leitet Ursula Lehmkuhl die FU, bis der neue Präsident Peter-André Alt sein Amt antritt. Im April informierte sie bereits die Bildungsverwaltung von Jürgen Zöllner (SPD), mit der Lenzen, der in der CDU beliebt ist, ohnehin im Clinch gelegen hatte, über Probleme im Zusammenhang mit den „Friends“. Das bestätigte gestern Zöllners Sprecher Martin Sand.

„Bevor die Fakten nicht umfassend geklärt sind, werden wir uns zur Sache nicht äußern“, sagte er. Das Ganze sei recht komplex; neben haushaltsrechtlichen Erfordernissen sei auch der materielle und immaterielle Nutzen der „Friends of Freie Universität“ für die FU zu berücksichtigen. Immerhin habe diese mithilfe des Ehemaligenvereins einen „neuen und sehr ambitionierten Weg zur Akquise von Spenden auf internationaler Ebene eingeschlagen“.

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