Spendenaktion : Allein, aber nicht einsam

Ein Verein in Kreuzberg bietet alten Menschen einen Ort, an dem sie Freunde finden können – doch die Ehrenamtlichen können die Miete nicht zahlen.

Daniela Martens
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Mit Mundharmonika und Mütze. Irma Gast und Helga Aulich feiern Nikolaus bei den „Freunden alter Menschen“. Dem Verein fehlt Geld,...

Auch dieses Jahr bittet der Tagesspiegel seine Leserinnen und Leser wieder um Spenden für die Weihnachtsaktion „Menschen helfen!“. 53 Projekte und Initiativen wollen wir bedenken – und stellen in unserer Serie einige stellvertretend vor.



Berlin - Eine Haarklemme hält die Nikolausmütze an Frau Aulichs Dauerwelle fest. „Alle mal herhören“, sagt die 78-Jährige. Dann liest sie eine Geschichte über eine Geheimrätin, einen Dorfschulzen und die Abkürzung „WC“ vor. Die eine versteht darunter ein „Wasser-Closett“, der andere glaubt, es bedeute „Wald-Capelle“. So gibt es viele lustige Missverständnisse. Bei jedem kichern Frau Aulichs Zuhörerinnen fröhlich.

Es ist ein nasskalter Nachmittag. In den warmen hellgelben Souterrainräumen des Vereins „Freunde alter Menschen“ an der Hornstraße in Kreuzberg feiern 15 alte Damen Nikolaus. Die meisten sind noch älter als Frau Aulich und sie kommen oft hierher. Viele von ihnen leben seit langem allein. Frau Aulichs Mann und ihr Bruder sind beide fast gleichzeitig gestorben – das war 1996.

Aber zum Glück gibt es drei Häuser von ihrer Wohnung entfernt die Veranstaltungen des Vereins: „Es ist immer eine wunderbare Abwechslung herzukommen und man wird so nett betreut“, sagt Frau Aulich. „Obwohl ich allein bin, bin ich nicht einsam.“ Sie kommt zum Erzählcafé, zum Spielenachmittag, zum Kaffeeklatsch und zum Bingo. „Das ist der absolute Renner“, sagt Anne Bieberstein vom Verein.

Rund 80 Ehrenamtliche kümmern sich um die „alten Freunde“, wie man im Verein sagt. Mehrere sehr junge Männer und Frauen sitzen bei der Nikolausfeier mit an den Tischen. „Wir versuchen vor allem persönliche Bindungen herzustellen – zwischen hochbetagten und jungen Menschen“, sagt Anne Bieberstein. Zum Konzept des Vereins, der auch in Tempelhof und in einigen französischen Städten aktiv ist, gehören auch Besuchspartnerschaften und Telefondienste. Montags etwa kommt immer Frau Wiese mit ihrem Gehwagen in die Räume an der Hornstraße, die dem Verein auch als Büro dienen. Frau Wiese ist 95. „Das ist doch kein Alter“, sagt sie und lacht. Dann holt sie eine Liste mit 14 Namen und Telefonnummern aus der Handtasche. „Die rufe ich jede Woche an und frage sie nach ihren Sorgen und Krankheiten.“ Wenn etwa bei einem der „alten Freunde“ erste Anzeichen von Demenz zu erkennen sind, hilft der Verein, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten.

Bei der Nikolausfeier brennen noch immer die Kerzen. Der Nikolaus, der vorhin Schokoladenweihnachtsmänner und Weihnachtssterne verteilt hat, ist schon wieder weg. „Das war schön“, sagt Frau Wiese und erzählt, dass sie die Schmerzen, die sie immer begleiten, für einige Momente vergessen konnte. Vor zwei Jahren hat Frau Wiese hier sogar Weihnachten gefeiert. Und auch in diesem Jahr gibt es Heiligabend wieder ein Fest – für alle die sonst allein wären.

Doch die Miete ist für den Verein ein Problem. „Wir haben eine ziemlich instabile Finanzlage“, sagt Anne Bieberstein. Vor einiger Zeit habe der Hauptspender, eine Stiftung, seine Unterstützung stark reduziert. Jetzt zahle man die Miete aus einer kleinen „Reserve für den Notfall“, sagt Anne Bieberstein. Deshalb will der Tagesspiegel mit der Spendenaktion dabei helfen, dass die Miete für das nächste Jahr bezahlt werden kann – damit es noch mehr Weihnachtsfeste an der Hornstraße gibt. Daniela Martens

Das Konto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kt.-Nr.: 250 030 942, BLZ: 100 500 00. Auch beim Onlinebanking bitte Name und Anschrift für den Spendenbeleg notieren.

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