Spendenaktion : Ganz besonders rekordverdächtig

Im Sportklub des Wohnstättenwerks Neukölln bereiten sich Menschen mit Behinderung auf die „National Special Olympics“ vor. Für die nächsten Spiele in Düsseldorf sind sie qualifiziert. Im Winter ist das Training aber schwierig – denn es fehlen Sportgeräte.

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Ballon statt Ball. Im Winter können die Sportler des Wohnstättenwerks nur drinnen trainieren. Wegen der beengten Räumlichkeiten muss improvisiert werden. Richtige Wurftechniken kann man dann in der Halle nicht üben. Foto: Thilo Rückeis
Ballon statt Ball. Im Winter können die Sportler des Wohnstättenwerks nur drinnen trainieren. Wegen der beengten Räumlichkeiten...

Die neun Sportler und ihre beiden Trainer haben sich im Kreis aufgestellt - jeder mit einem bunten Luftballon in der Hand. „Jetzt wirft ihn mal jeder hoch und versucht, ihn wieder aufzufangen“, sagt Trainerin Susanne Wittig. Der nächste Schritt ist schon schwieriger: Jeder wirft den Ball nach oben, geht einen Schritt nach links und fängt den Ball des Nachbarn auf. Der erste Versuch endet im Kuddelmuddel, nicht alle verstehen die Aufgabe auf Anhieb. Doch wenig später funktioniert der Ablauf bereits bestens.

Die Teilnehmer des Sportklubs Wohnstättenwerk Neukölln e. V. trainieren jeden Mittwochabend. Im Wohnstättenwerk, einer Einrichtung der Diakonie-Eingliederungshilfe Simeon in der Gropiusstadt, leben rund 90 Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen, wie etwa Lernbehinderungen oder Down-Syndrom. Der Sportklub trainiert auch für Laufveranstaltungen und Wettkämpfe. Das größte Highlight sind die „National Special Olympics“ für Menschen mit geistiger Behinderung.

Im vergangenen Jahr nahm der Sportklub bei den Spielen in München daran teil. Auch für die Special Olympics 2014 in Düsseldorf haben sich die Teilnehmer, die zwischen 24 und 69 Jahre alt sind, qualifiziert. Zugunsten des Angebots für Menschen mit Behinderungen bittet der Verein jetzt um Spenden der Tagesspiegel-Leser.

Das Training für die Wettkämpfe beginnt so früh wie möglich. Doch im Winter müssen die Trainer Susanne Wittig, 44, und Andreas Müller, 42, sehr kreativ werden, weil dann das Training auf dem Sportplatz entfallen muss. Zwar dürfen sie die Turnhalle einer nahe gelegenen Schule mitnutzen, jedoch erst ab 19 Uhr und das ist zu spät für viele der Teilnehmer. Daher sind sie alle zwei Wochen im Wechsel im kleinen Turnraum des Wohnstättenwerks. Mit Luftballons und Reifen versuchen sie dieses Mal, den mangelnden Platz auszugleichen. Doch an gezieltes Training für Disziplinen wie Weitwurf, Weitsprung, 100-Meter- und 1500-Meter-Lauf sowie die 400-Meter-Staffel ist hier nicht zu denken.

Daher hoffen die Mitglieder auf Spenden der Aktion „Menschen helfen!“, um sich Sportgeräte für das Training anzuschaffen, mit denen sie auch langfristig üben können. „Das wäre ein Traum für uns“, sagt Jürgen Klam, 52, der stolz die Medaille des 400-Meter-Staffellaufs der Special Olympics aus dem vergangenen Jahr um den Hals trägt. Ein Fahrrad ist vorhanden – doch ein einzelnes Fahrrad in das Training einzubauen, sei schwierig, sagt Susanne Wittig. Sie hofft, mit den Spenden zwei weitere Räder und ein Rudergerät anschaffen zu können.

Nach der Übung mit den Luftballons kommen im nächsten Schritt Reifen ins Spiel. Die Sportler stellen sie aufrecht auf den Boden, lassen sie rotieren und fangen dann den Reifen des Nachbarn auf. Die Koordination ist gar nicht so einfach, doch die Teilnehmer machen schnell Fortschritte. So wie beim Training für die Wettkämpfe. „Da müssen wir auch üben, beim Laufen in der Bahn zu bleiben und beim Staffellauf den Stab abzugeben“, sagt Wittig.

Es sei eine Herausforderung, mit allen gemeinsam zu trainieren, sagt Andreas Müller. „Sie sind so unterschiedlich und man möchte niemanden überfordern, sie aber auch nicht unterfordern.“ Die Trainer sind Mitarbeiter des Wohnstättenwerks und leiten den Sportunterricht in ehrenamtlichem Einsatz. Die Teilnehmer entrichten einen Jahresbeitrag von 55 Euro. Damit werden auch Gebühren und Anfahrten zu den jeweiligen Sportveranstaltungen finanziert. Für die meisten ist das nicht leicht zu stemmen, wenn sie etwa in Behindertenwerkstätten arbeiten, wo sie nicht viel Geld verdienen.

Doch der Sport verbessert ihr Gemeinschaftsgefühl und erhöht Mobilität und Körperwahrnehmung. Und die Erfolgserlebnisse sind kaum zu unterschätzen. „Sie haben ein viel besseres Selbstbewusstsein“, sagt Susanne Wittig. Sei es durch eine gelungene Übung oder Erinnerungen wie an die Eröffnungsfeier zu den Special Olympics 2012 vor 12 000 Zuschauern mit dem Schirmherrn und Bundespräsidenten Joachim Gauck. „Das ist etwas, das man nie vergisst“, sagt Jürgen Klam. Bis zum nächsten Mal in Düsseldorf muss noch viel trainiert werden - wenn alles gut geht, mit drei neuen Übungsgeräten.

Spenden bitte an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942 - Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren. BIC: BELADEBE, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42

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