Spendenaktion : Hilfe für junge Eltern

Das Projekt Känguru braucht Spenden: Es steht Familien nach der Geburt eines Kindes bei.

Katja Reimann

So groß war die Resonanz noch nie: Fast 270 Vereine und Initiativen haben sich beim Tagesspiegel für die Spendenaktion „Menschen helfen!“ beworben. Wir können 56 berücksichtigen – und stellen einige Projekte stellvertretend vor. Heute: „Känguru – hilft und begleitet“, Diakonische Nachbarschaftshilfe für Eltern und Kinder in den ersten Monaten nach der Geburt.

Anfang Oktober dieses Jahres wusste Julia K. nicht mehr weiter: Ihre Tochter Johanna (beide Namen geändert) war erst vier Monate alt, und Julia K. litt an einer Brustentzündung, verursacht durch das tägliche Stillen. Mit hohem Fieber und Schmerzen erschien ihr der Alltag mit einem Kleinkind doppelt so schwer zu meistern. Ihr Ehemann arbeitete den ganzen Tag, und auch auf die viel beschäftigten Großeltern konnte sie nicht zählen.

Julia K. wandte sich daraufhin an das Projekt Känguru des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Känguru hilft jungen Eltern, wenn ihnen der Alltag in den Monaten nach der Geburt eines Kindes über den Kopf wächst. An vier Standorten in Berlin existieren bereits Känguru-Büros, die mit jeweils einer Koordinatorin und gut geschulten ehrenamtlichen Helferinnen besetzt sind: in Friedrichshain/Mitte, Lichtenberg, Neukölln und Steglitz-Zehlendorf. Die freiwilligen Helferinnen besuchen die Eltern stundenweise zu Hause und unterstützen sie. Die Hilfe ist für die Eltern kostenlos.

Die Hemmungen, sich um fremde Unterstützung zu bemühen, seien erst groß gewesen, sagt Julia K. „Ich habe überlegt: lasse ich wirklich jemand Wildfremdes in mein Haus und an mein Kind?“ „Aber irgendwann“, erinnert sich Julia K., „ging es einfach nicht mehr.“ Und als sie sah, dass der Träger des Projektes kirchlich war, fasste sie Vertrauen und rief bei Kathrin Hoppe, der Koordinatorin für Steglitz-Zehlendorf, an. Kathrin Hoppe reagierte sofort und übernahm die Betreuung der kranken Mutter und ihres Babies. Täglich verbrachte sie zwei bis drei Stunden mit der kleinen Johanna und ging zum Beispiel mit ihr spazieren. Julia K. konnte in der Zwischenzeit in aller Ruhe Ärzte aufsuchen und sich auskurieren.

„Das Projekt Känguru ist für alle Familien“, sagt Kathrin Hoppe. Probleme und Sorgen nach der Geburt eines Kindes kämen schließlich in allen sozialen Schichten vor. Auch Hoppes Kollegin aus Lichtenberg, Anja Lindner, betont: „Bedarf ist immer dann da, wenn eine Familie sich meldet.“ Die Motivation der ehrenamtlichen Helferinnen sei groß, viele hätten ein solches Angebot nach der Geburt ihres Kindes selbst gern genutzt. Und nicht zuletzt ist das Projekt Känguru auch ein Präventionsprojekt im Sinne des Kinderschutzes: Durch die Beratung und Unterstützung der Eltern wird automatisch deren Erziehungskompetenz gefördert.

Doch Informationsmaterial und Mitarbeiterschulungen haben ihren Preis. Damit das noch junge Projekt Känguru vielen Eltern helfen kann, ist es auf Spenden angewiesen. Auch ehrenamtliche Helfer werden noch gesucht (Tel.: 820 97 140).

Katja Reimann

Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kontonr.: 2500 30 942, BLZ: 100 500 00. Onlinebanking ist möglich. Bitte notieren Sie Namen und Anschrift, damit wir Ihnen den Spendenbeleg zuschicken können (www.tagesspiegel.de/spendenaktion).

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