Spendenaktion : Lebensretter in Not

Der Verein Papatya hilft jungen Migrantinnen aus Zwangsehe und Gewalt - doch es fehlt viel Geld.

Annette Kögel
Sürücü
Bekanntes Opfer. Hatun Sürücü wurde von ihrem jüngsten Bruder ermordet. -Foto: dpa

Zum 16. Mal startet der Tagesspiegel in diesem Jahr die Spendenaktion „Menschen helfen!“. Bis Weihnachten stellen wir einige Projekte vor, die das Geld erhalten sollen. Heute: der Verein Papatya.

Die Mädchen fliehen oft nach der Schule, und sie nehmen nichts mit. Keinen Koffer, kein Kuscheltier, damit ihren Eltern ja nichts auffällt. Sie sind oft noch nicht einmal volljährig, aber schon einem Ehemann versprochen, oder dieser bedient sich längst an Körper und Seele seiner Versprochenen. So einengend der Familienverbund war, so einsam stehen die jungen Migrantinnen nach ihrer Flucht da. Doch wenn der eigene Vater Todesdrohungen ausstößt oder die Tochter schon zur Strafe ans Bett gebunden hat, dann bleibt vielen jungen Deutschtürkinnen oder Deutscharaberinnen nichts weiter als die Flucht.

Der Berliner Verein Papatya hilft diesen Mädchen und jungen Frauen seit 22 Jahren bei familiärer und sexueller Gewalt, bei der Androhung einer Zwangsverheiratung oder aus der Zwangsehe heraus. Weil diese Themen immer mehr öffentlich thematisiert werden, wagen auch immer mehr Mädchen den Schritt. „Jedes Jahr melden sich 60 bis 80 minderjährige Mädchen und junge Frauen zwischen 13 und 21 Jahren bei uns“, sagt die Leiterin der Kriseneinrichtung Papatya. Die meisten stammen aus Berlin, aber auch Frauen aus dem übrigen Bundesgebiet suchen den Schutz der Großstadt. Zudem vermittelt auch die Frauennothilfe „Hatun und Can“ Schutzbedürftige an Papatya weiter – die Nothilfe haben ehrenamtliche Migrantinnen aus Berlin nach dem sogenannten Ehrenmord an der jungen Deutschtürkin Hatun Sürücü gegründet.

Der Bedarf an menschlicher Hilfe steigt also – die Zuwendungen an Papatya wurden jedoch seit zwölf Jahren nicht erhöht. „Inzwischen fehlen uns jährlich rund 60 000 Euro für unsere Zufluchtswohnung, die wir auch aus Spendenmitteln decken müssen“, sagt die Leiterin weiter. Die Papatya-Mitarbeiterinnen konnten jetzt zwar einen zusätzlichen Raum in der Zufluchtswohnung schaffen, doch das Geld reicht für die Einrichtung vorne und hinten nicht.

Ein großes Problem ist zudem der Geldbedarf im akuten Notfall. Wenn Lebensgefahr besteht, müssen die Frauen unverzüglich weg von zu Hause. Bis die Ämter aber Zuschüsse zu Bahnticket oder Miete zahlen, vergehen Wochen und Monate. „Wir brauchen dringend Geld für Kleidung, Mietkaution, aber auch für die Behördengebühren, etwa für Ersatzpapiere bei Namensänderungen zum Schutz der Mädchen.“ Allein dafür werden in naher Zukunft rund 10 000 Euro benötigt. In einigen Fällen springt der Verein Hatun und Can ein, doch auch dieser kann mit Privatspenden nicht alles tragen. Die Leserinnen und Leser des Tagesspiegels können jetzt jenen unter die Arme greifen, die unverschuldet in Abhängigkeitsverhältnisse geraten sind. Annette Kögel

Das Konto: Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kto-Nr. 2500 309 42, Bankleitzahl 100 500 00 (Onlinebanking möglich). Bitte notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Im Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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