Spendenaktion : Lernen statt rumhängen

Der Verein Joliba hilft Afrikanern bei der Integration und hofft dafür auf Spenden der Tagesspiegel-Leser.

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Lichtbringer. Katharina Oguntoye will sinnvolle Beschäftigung für alle. Foto: Moritz
Lichtbringer. Katharina Oguntoye will sinnvolle Beschäftigung für alle. Foto: MoritzFoto: Georg Moritz

Berlin - In Gambia war Kora Cherno Sozialarbeiter – als Einwanderer in Berlin ist er selbst zum Menschen mit sozialen Nöten geworden. Ohne Arbeit wusste er nicht, wo er seine Zeit verbringen sollte, und kam regelmäßig in den Görlitzer Park in Kreuzberg. „Ich wollte einfach nur im Park sein und Leute treffen“, sagt der 30-Jährige. Mit dem Drogengeschäft dort habe er nichts zu tun gehabt. Dennoch ist er froh, heute nicht mehr so häufig dort zu sein. Dafür verbringt er jetzt fast jeden Tag in den Räumen des Joliba e. V. in der Görlitzer Straße. Kora Cherno und der Verein Joliba wollen mithelfen, den sozialen Brennpunkt Görlitzer Park im alten Kreuzberg 36 zu entschärfen. Damit es dort weniger Drogengeschäfte gibt. Und damit dort nicht unvermittelt Unbescholtene – wie es gerade ein Autor im Tagesspiegel beschrieb – zum Opfer von plötzlichen Angriffen werden.

Der Verein Joliba kümmert sich in Berlin bereits seit 1997 mit Familienhilfen, Sozialarbeit, Kultur- und Bildungsprojekten um die Integration afrikanischer Einwanderer. Ende August startete im Auftrag des Grünflächenamts der Versuch, auch die Menschen im Görlitzer Park zu erreichen und zu den Angeboten einzuladen. Es sollten sinnvolle Lebensalternativen aufgezeigt werden: Beschäftigung statt Rumhängen. Rund 30 Leute seien auf diese Initiative hin in den Räumlichkeiten vorbeigekommen, sagt Vereinsleiterin Katharina Oguntoye.

Die Förderung durch das Grünflächenamt für das Projekt ist inzwischen ausgelaufen und auch vom Senat kommt im kommenden Jahr voraussichtlich keine Unterstützung mehr. Doch der Verein braucht Geld, um das Angebot an Deutsch-, Computer- und Nähkursen aufrechtzuerhalten. Unterrichtsmaterialien und neue Computerprogramme müssen besorgt werden, im besten Fall ein neuer Computer. „Wir wollen nicht, dass die Leute hier bei uns abhängen statt im Park“, sagt Oguntoye. „Wir wollen, dass sie bei uns etwas lernen können.“ Bei Joliba wollen afrikanischstämmige Berliner andere Einwanderer aus ihrem Kulturkreis mit Berlin und der deutschen Kultur vertraut machen.

Bei nasskaltem Wetter wirkt der sonst so von Leben erfüllte Görlitzer Park verlassen und trostlos. Nur vereinzelte Gestalten treiben sich an den Eingängen und in Ecken des Parks herum. Hunderte Menschen hätten sie und ihre Mitarbeiter in den vergangenen Wochen dort angesprochen, sagt Oguntoye. Viele der Leute im Park seien verängstigt, ohne Aufenthaltserlaubnis, ohne Wohnung. „Viele fragen als Erstes, ob wir Arbeit für sie haben“, sagt Oguntoye.

Fast alle haben in ihrem Heimatland etwas gelernt. Doch seien es Lehrer, Bau- oder Sozialarbeiter – hier dürfen sie nicht arbeiten. Das bringe manche dazu, illegale Dinge zu machen, um Geld zu verdienen, sagt Kora Cherno. Er selbst habe Gambia vor fünf Jahren verlassen und sei über Lampedusa nach Italien gekommen. Seit zwei Jahren ist er in Berlin. Seitdem die Joliba-Mitarbeiter ihn im Park angesprochen haben, kommt er regelmäßig in die in freundlichem Gelb gestrichenen Vereinsräume. Was sie auf ihrem Weg bis nach Berlin alles erlebt und warum sie ihre Heimat verlassen haben, danach fragt Katharina Oguntoye die Besucher nicht. „Das sind traumatische Erlebnisse. Wichtig ist jetzt, dass sie bei uns etwas lernen und ihre Lebensumstände verbessern.“

Oguntoye möchte die Arbeit im Park verstetigen und hofft, dass sie und ihre Mitarbeiter ihren Einsatz – auch mit Hilfe der Tagesspiegel-Leser – im neuen Jahr fortsetzen können. Franziska Felber

Spenden bitte an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942 - Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren. BIC: BELADEBE, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42

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