Spendenaktion : Letzte Ausfahrt

Erst eine Ausbildung, dann der erste richtige Job: Die Mitarbeiter der Helmut Ziegner Berufsbildung helfen Jugendlichen, denen kaum jemand eine Chance gibt – und brauchen dafür ein neues Auto.

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Die mit dem Stern. Die Ausbilder Markus Jenssen (r.), und Thomas Engel (l.) helfen vielen Jugendlichen beim Start in ein selbstbestimmtes Leben. Foto: Georg Moritz
Die mit dem Stern. Die Ausbilder Markus Jenssen (r.), und Thomas Engel (l.) helfen vielen Jugendlichen beim Start in ein...Foto: Georg Moritz

Es war ein großer Moment für Max Sobotta, als er seine Treppe hoch über dem Alexanderplatz schweben sah. Der 24-jährige Auszubildende für Metallbau hatte an der Stahlkonstruktion mitgearbeitet, die jetzt mithilfe eines Krans an der Außenwand eines Wohnhauses platziert wurde. „Ich merke immer, wie sehr die Jungs motiviert sind, wenn sie auf die Baustelle kommen und in Kontakt mit dem Kunden sind“, sagt Sobottas Ausbildungsleiter Thomas Engel von der Helmut Ziegner Berufsbildung gGmbH (HZBB).

Seine „Jungs“, das sind Jugendliche, die meist keine Chance haben, auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz zu bekommen – trotz der vielen offenen Lehrstellen. Bei der HZBB mit Hauptsitz in Lichterfelde können sie ihre Ausbildung machen, in rund 20 Berufsfeldern wie Garten- und Landschaftsbau, Elektrotechnik, Schilder- und Lichtreklameherstellung, Büro und Verwaltung. Derzeit lernen hier mehr als 400 Auszubildende, etwa 50 davon haben eine Lernbeeinträchtigung. Finanziert werden die Lehrstellen von der Arbeitsagentur und den Jobcentern.

Die Jugendlichen haben oft keinen Schulabschluss oder einen schlechten Hauptschulabschluss, so wie Max Sobotta aus Zehlendorf. Bevor er zur HZBB kam, war sein Leben in ziemlicher Unordnung. „Ich war immer unterwegs, habe Mist gebaut. Jetzt kann ich mir das nicht mehr erlauben.“ Außeneinsätze wie der am Alexanderplatz haben Sobotta gezeigt: Er hat etwas geschafft, seine Arbeitskraft ist gefragt.

Um das weiterhin zu ermöglichen und gemeinsame Ausflüge zu organisieren, hoffen die Ausbilder und Sozialpädagogen der HZBB auf die Spenden der Tagesspiegel-Leser. Denn: Im Hof ihrer Bildungseinrichtung steht nur ein klappriger Kleinwagen. Der Kilometerstand nähert sich der 300.000er-Marke. „Manche Mitarbeiter trauen sich gar nicht mehr, damit zu fahren“, sagt HZBB-Geschäftsführer Markus Jenssen. „Das Auto fährt nur deshalb noch, weil wir eine eigene Kfz-Werkstatt haben.“ Auch die anderen Autos der insgesamt sechs HZBB-Einrichtungen seien „ur-uralt“. Meist kommen daher die Privatfahrzeuge der Mitarbeiter zum Einsatz, so wie das von Thomas Engel. Mit einem kleinen Wagen wäre ihnen schon geholfen, sagt Engel. „Ideal wäre natürlich ein Transporter.“

Die Sozialpädagogen brauchen die Autos auch, um Jugendliche morgens abzuholen. Für einige ist es zu Beginn ihrer Ausbildung nicht selbstverständlich, morgens pünktlich aufzustehen und verlässlich zur Arbeit zu erscheinen. An den Einrichtungen der HZBB in Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg lernen sie daher noch ohne den Druck der freien Wirtschaft: Die Aufträge kommen in der Regel von anderen gemeinnützigen Trägern und öffentlichen Einrichtungen, die dafür nur die Materialkosten zahlen.

Ohne die HZBB hätte Sobotta keinen Ausbildungsplatz gefunden, da ist er sicher. Ein Jahr lang habe er nach der Hauptschule „ein bisschen gegammelt“. Erst dann hat er Bewerbungen geschrieben, 15 bis 20 schätzt er. Sie kamen alle zurück. Markus Jenssen sagt: „Viele Jugendliche rutschen in ein Motivationstal, wenn sie merken: Keiner will sie.“ Der fehlende oder schlechte Abschluss, Haftstrafen, Drogendelikte – es gibt viele Gründe, weshalb Betriebe sie nicht ausbilden wollen. „Die Bandbreite an Schicksalen ist groß“, sagt Jenssen. Er hat oft beobachtet, wie schnell es geht, dass Jugendliche ihre Zeit nur noch mit Freunden verbringen, die ebenfalls kein berufliches Ziel mehr verfolgen. Neben dem Lehrauftrag betrachtet er den erzieherischen Auftrag daher als wichtigste Aufgabe.

Zusätzlich zu den Ausbildungen bietet die HZBB auch sogenannte Praxislerngruppen für Schulverweigerer an. Finanziert vom Senat können die Jugendlichen verschiedene Berufsfelder kennenlernen. Zudem gibt es Berufsvorbereitung für Schulabgänger und sogenannte „Aktivierungshilfen“, die dann greifen, wenn die Jugendlichen nicht einmal mehr beim Jobcenter erscheinen. „Wir verhandeln dann regelrecht mit denen, damit sie wenigstens zur Berufsvorbereitung kommen“, sagt Jenssen.

Haben die Auszubildenden ihren Abschluss geschafft, kann es nach Thomas Engels Erfahrung auch mal bis zu drei Monate dauern, bis sie eine Anstellung bekommen. Doch etwa 98 Prozent der jungen Erwachsenen seien erfolgreich bei ihrer Arbeitssuche.

Sobotta schließt im Februar seine Ausbildung zum Metallbauer ab, seine ersten Bewerbungstrainings hat er hinter sich. Er hofft auf eine Anstellung – und dass mit Hilfe der Tagesspiegel-Leser bis dahin ein neues Auto vor der Werkstatt steht, das noch viele Jugendliche wie ihn zurück auf die rechte Bahn begleitet.

Spenden bitte an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942. Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren. BIC: BELADEBE, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42.

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