• Spendenaktion "Menschen helfen!": Helfer für Obdachlose brauchen Geld für Lagerregale

Spendenaktion "Menschen helfen!" : Helfer für Obdachlose brauchen Geld für Lagerregale

In der Arztpraxis am Ostbahnhof werden Obdachlose versorgt. Für ein Lagersystem fehlt aber das Geld. Dabei ginge dann alles viel schneller.

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Pickepackevoll. Einrichtungsleiter Matthias Dahlkemper, 46, selbst ausgebildeter Arzt, und Mitarbeiterin Nazife Yaman, 42, im Flur der Arztpraxis am Ostbahnhof. Obdachlose könnten sie schneller versorgen, gäbe es hier ein platzeffektives Lagersystem.
Pickepackevoll. Einrichtungsleiter Matthias Dahlkemper, 46, selbst ausgebildeter Arzt, und Mitarbeiterin Nazife Yaman, 42, im Flur...Foto: Annette Kögel

„Haben Sie Balsamcreme, weiße, bitte?“, fragt der Mann am Klapptresenbrett. Die Frau dahinter bittet den Bedürftigen, kurz zu warten. Dann guckt Nazife Yaman nach, im Schrank vorne rechts stehen Kosmetikprodukte, dahinter stapeln sich Shirts und Pullis und Handtücher und Hosen in den altersschwachen, zusammengewürfelten Lagerregalen. „Hier haben Sie auch noch eine Flasche Shampoo“, sagt die 42-jährige Mitarbeiterin der Einrichtung für Wohnungslose am Stralauer Platz 32 gegenüber vom Ostbahnhof in Friedrichshain. Draußen rollen Touristenbusse zur East Side Gallery, geben Autofahrer auf der Ausfallstraße Gas. In dem dunklen alten Haus mit dem hellen Kreuz aber helfen die Mitarbeiter der gemeinnützigen GmbH „Gebewo pro“ Wohnungslosen. Die Diakonieeinrichtung hat die Stätte mit Arztpraxen von „Mut“ übernommen und für Berlin gerettet – und hofft nun selbst auf Hilfe der Tagesspiegel-Leser. Mobiliar muss dringend erneuert werden.

„Unsere Gäste sind vor allem Männer, und es sind sehr freundliche, dankbare Menschen“, sagt Leiter Matthias Dahlkemper. Er ist selbst Arzt, aber die Aufgabe hier hat ihn mehr gereizt. „Täglich sind ein Arzt, ein Zahnarzt, zwei Schwestern und eine Zahnarzthelferin in der Arztpraxis“, berichtet Ekkehard Hayner, der Leiter des gewebo-Bereichs Wohnungsnotfallhilfe. Täglich nehmen rund 25 bis 30 Patienten in den Arztzimmern Platz, viele sind nicht krankenversichert. Auch ehrenamtliche Ärzte und Zahnärzte sowie Freiwillige in Küche und Kleiderkammer ermöglichen es, Menschen mit psychischen Erkrankungen, Drogengeschichte und Hautleiden zu versorgen. Einige Helfer bekamen schon das Bundesverdienstkreuz. In der Arztpraxis ist die Namensliste für die Dusche lang.

Nazife Yaman ist 42 Jahre alt und fährt aus Kreuzberg in die Obdachloseneinrichtung. Das Jobcenter hat sie als MAE-Kraft vermittelt, und ihr macht die Aufgabe viel Spaß. Bedürftige mit türkischem Migrationshintergrund sind hier kaum anzutreffen, sie werden nach Sozialarbeitererfahrung eher im Familienkreis versorgt.

Nicht aber der Mann, der höflich grüßt und vorsichtig durch die Tür schwankt. Und auch nicht der Herr, dem man ansieht, das das Leben ihn gezeichnet hat.

Der Schwerpunkt der Praxis am Stralauer Platz ist die gesundheitliche Versorgung, aber zu einem menschenwürdigen Dasein gehört auch Kleidung, Hygiene, Essen, sagt Dahlkemper. Und so bereiten die Mitarbeiter dank Spenden vor allem der Berliner Tafel täglich drei Mahlzeiten zu. Die 20 Sitzplätze sind gut belegt. „Unverderbliche, abgepackte Lebensmittel können wir immer gut gebrauchen“, sagt Matthias Dahlkemper. Und winterwarme Wäsche wird benötigt. „Socken, Strumpfhosen und auch Unterwäsche“, sagt Yaman. Gern natürlich keine gebrauchte, sondern neue.

Und ein professionelles Lagersystem für den Flur und den hinteren Raum „würde enorm Zeit sparen und unsere Arbeit sehr erleichtern“, sagt Dahlkemper. Der Kostenvoranschlag zu „Standpfosten, Abhängestangen und Ablageböden“ summiert sich auf knapp 5000 Euro. Derzeit müssen die Mitarbeiter oft in hohen, schweren Wäschestapeln lange suchen. Die gespendeten Schuhe – wichtigstes Utensil für Leute, die auf der Straße leben – liegen locker in Pappkartons. Täglich stellen sich rund 20 Menschen an dem Klapptresen im Flur an, bitten um warme Kleidung, danken herzlich. 20 können etwa pro Tag duschen, mit einem warmen Essen werden 40 Gäste bedacht.

Jetzt fehlt einem Gast eine warme Jacke, er friert. Nun sind wieder Nazife Yaman mit ihrem warmen Lächeln sowie ihre diensthabende Kollegin in der Kleiderkammer gefragt.

Spenden bitte an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942 – Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren. BIC: BELADEBE, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42

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