Spendenaktion : Neue Geborgenheit

Der Verein „Leben Lernen“ organisiert seit 30 Jahren ein Wohnprojekt für Mädchen – genauso alt ist die Ausstattung der Apartments. Für neue Kücheneinrichtungen und Kühlschränke brauchen die Helfer dringend Geld.

Rita Nikolow
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Hilfe in allen Lebenslagen. Betreuerin Ingrid Althammer (l.) hilft Mädchen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Auch dieses Jahr bittet der Tagesspiegel seine Leserinnen und Leser wieder um Spenden für die Weihnachtsaktion „Menschen helfen!“. 53 Projekte und Initiativen wollen wir bedenken – und stellen in unserer Serie einige stellvertretend vor.





Manchmal geht es zu Hause einfach nicht mehr weiter – weil die Streitereien mit den Eltern zu groß werden, die Zwangsverheiratung droht oder die Töchter Gewalt ausgesetzt sind. Und das sind noch längst nicht alle Gründe, die junge Frauen zwischen 15 und 20 Jahren hierher gebracht haben, in das intensivbetreute Mädchenwohnen des Vereins „Leben Lernen“ in Schöneberg.

Die 19-jährige Dagmara zum Beispiel hat sich mit ihrer Mutter nicht mehr verstanden, mit der sie vor vier Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen ist. Als die Mutter zurückging, fand Dagmara in Schöneberg ein neues Zuhause. „Und ich habe gelernt, wie man mit Problemen umgeht“, sagt die 19-Jährige, die nun mit einem anderen Mädchen in einer Zweier-WG im Kiez lebt.

Die Wohngemeinschaften sollen die 20 jungen Frauen auch fit machen für später, fürs Alleinwohnen. „In den Apartments lernen die Mädchen, auf den anderen Rücksicht zu nehmen und einen Haushalt zu organisieren“, sagt die Betreuerin Ingrid Althammer. Viele der Mädchen kommen aus zerrütteten Familien. Davon betroffen sei längst nicht nur die Unterschicht. Auch der Leistungsdruck, der zu Hause herrsche, belaste viele Mädchen. Oder die depressiven Erkrankungen ihrer Eltern: „Viele Mädchen werden im Elternhaus auch emotional vernachlässigt.“ Weil Mädchen ihre Sorgen und Nöte eher in sich hineinfressen als Jungen, richten einige ihre Aggressionen auch gegen sich selbst. Sie leiden zum Beispiel unter Bulimie oder ritzen sich Wunden in die Haut.

Die jungen Frauen, die in das Projekt aufgenommen werden, müssen dort erst wieder Vertrauen aufbauen. Zwölf Stunden in der Woche werden sie deshalb von Fachkräften betreut – wobei jedes Mädchen seine feste Ansprechpartnerin hat. „Wir begleiten die Mädchen in allen Lebenslagen“, sagt Ingrid Althammer. Also zum Beispiel zum Einkaufen oder bei der Suche nach einem Schulplatz in der Nähe. Das Wichtigste aber ist, dass die Betreuerinnen eine echte und starke Bindung zu den Mädchen aufbauen: „Wir signalisieren den Mädchen, dass wir ihnen Halt geben.“

Unter der Woche können die Mädchen auch in die Geschäftsstelle von „Leben Lernen“ in der Schöneberger Ebersstraße kommen – und sich dort schnell mal ein Brot schmieren oder auf den großen blauen Sofas über ihre Probleme sprechen.

Finanziert wird das betreute Mädchenwohnen über die Bezirksämter. Dabei macht es der steigende Sparkurs dem Verein nicht leicht, den Bedürfnissen der Mädchen gerecht zu werden. „Wir brauchen für vier Wohnungen dringend neue Kücheneinrichtungen und außerdem drei Kühlschränke“, sagt Ingrid Althammer. Für diese Anschaffungen bittet der Verein um Spenden.

Ingrid Althammer und ihre Kolleginnen helfen den jungen Frauen auch bei der Suche nach der ersten eigenen Wohnung. Und sind selbst nach deren Auszug noch für die Mädchen da. Damit der Übergang in die Selbständigkeit ohne Stolpersteine verläuft. Rita Nikolow

Das Konto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kt.-Nr.: 250 030 942, BLZ: 100 500 00. Auch beim Onlinebanking bitte Name und Anschrift für den Spendenbeleg notieren.

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