Spendenaktion : Praxis auf Rädern

Die Spendenaktion hat begonnen. Wir zeigen Projekte, die Hilfe brauchen. Heute: das Caritas-Arztmobil. Es kümmert sich um Obdachlose - mit medizinischer Versorgung, Vitaminen oder auch einfach einer Tasse Tee.

Rita Nikolow
Caritas
Das Arztmobil der Caritas versorgt Obdachlose. -Foto: Max Stuttmann

Zum 16. Mal startet der Tagesspiegel in diesem Jahr die Spendenaktion „Menschen helfen!“. Die Gelder gehen diesmal an 55 Vereine unterschiedlicher Träger, aus verschiedenen Bezirken und allen sozialen Bereichen. Bis Weihnachten stellen wir einige davon stellvertretend vor. Heute: Das Caritas-Arztmobil für Obdachlose.

Gabriela Allgaier hat die Straße im Blick: Während der Zivildienstleistende Fabian Heiroth den weißen Lieferwagen durch die City-West lenkt, hält die Krankenschwester Ausschau nach „Klienten“: Obdachlosen, die Hilfe gebrauchen könnten. Medizinische Versorgung, Vitamine oder einfach eine Tasse Tee. „Halt mal bitte an“, sagt sie plötzlich, steigt aus und sucht auf der anderen Straßenseite nach einem bekannten Gesicht. Vuduy-Anh steht an seinem Stammplatz. Der zierliche Thailänder lächelt, es geht ihm gut, eine Tasse Tee hätte er aber trotzdem gerne. Zusammen gehen beide zurück zum Transporter, der zugleich eine Praxis auf Rädern ist. In den Regalen stapeln sich Medikamente, auf dem Tisch liegen ein Blutdruckmessgerät und ein Karteikasten. Vuduy-Anh ist jetzt wieder warm, und der Sprinter fährt weiter, zur nächsten Station.

Unterwegs ist das Arztmobil immer dienstags, mittwochs und donnerstags, alle zwei Wochen auch am Freitag und Sonnabend. Gabriela Allgaier und ihre Kollegen fahren entweder feste Standorte an, zum Beispiel Suppenküchen, Kirchen oder Notübernachtungen. Oder eben durch die City-West oder das Stadtgebiet Ost. Bei winterlichem Schmuddelwetter ist es allerdings schwierig, Obdachlose auf der Straße anzutreffen.

Dabei brauchen viele von Ihnen gerade in dieser Jahreszeit Unterstützung – neben Erkältungen machen vor allem Magen-Darm-Infekte, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hautkrankheiten Probleme. Wer dringend eine Badewanne oder einen Arzt braucht, den liefert das Mobil dann auch in der Caritas-Ambulanz oder einer Praxis ab.

Oft geben auch aufmerksame Anwohner Tipps, zum Beispiel im Fall von Thomas, den Gabriela Allgaier jetzt auf „seiner“ Bank besucht. Hier lebt er seit sechs Jahren, hat sie mit grünen Plastikplanen überdacht. Neben sich hat Thomas eine Taschenlampe, ein Radio und ein Fahrrad stehen. Im Arztmobil misst Gabriela Allgaier den Blutdruck des Patienten, der unter mehreren Wollpullovern einen dicken Bauch versteckt. „Alles ok“, sagt sie. Thomas ging es nicht immer so gut: Einmal hat er bereits auf der Intensivstation gelegen.

Die Krankenschwester füllt Tabletten in eine dicke weiße Pillenbox, die für jeden Wochentag ein Fach hat. Thomas stopft die Box in die Tasche seines Anoraks und geht zurück auf seine Bank. Vitamine hat er auch noch bekommen, damit er sich bei zwei Grad Außentemperatur nicht erkältet. Mit den Spenden der Tagesspiegel-Leser möchte das Arztmobil-Team neue Medikamente kaufen und in der Obdachlosen-Ambulanz am Bahnhof Zoo ein Bad behindertengerecht umbauen. Rita Nikolow

Das Spendenkonto: Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kto.-Nr.: 2500 309 42, Bankleitzahl 100 500 00 (Onlinebanking möglich). Bitte notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Im Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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