Spendenaktion : Soziale Projekte brauchen Hilfe so dringend wie nie

56 Initiativen werden von der Tagesspiegel-Spendenaktion unterstützt – mehr als 2006. Voriges Jahr spendeten unsere Leser 220.000 Euro.

Annette Kögel

Berlin braucht Hilfe: So eine große Resonanz beim Aufruf zum Start der Weihnachtsaktion gab es noch nie. In diesem Jahr haben sich nahezu doppelt so viele soziale Vereine, Projekte und Ehrenamtsinitiativen beim Tagesspiegel-Spendenverein darum beworben, bei „Menschen helfen!“ berücksichtigt zu werden, wie in den Vorjahren. Das ist sicherlich ein Kompliment hinsichtlich des Engagements dieser Zeitung und auch ein Zeichen dafür, dass sich die Spendenaktion im sozialen Berlin herumgesprochen hat. Doch die vielen Bitten um finanzielle Hilfen und Sachmittel verdeutlichen auch, wie groß die Not in dieser Stadt ist.

Zahlreiche Vereine, freie Träger und Organisationen wenden sich an den Tagesspiegel, weil ihnen Etats und Zuwendungen aus Berlin, Deutschland und von der EU gekürzt wurden. So haben wir uns entschlossen, wegen der enormen Nachfrage die Anzahl der Spendenempfänger von 48 auf 56 aufzustocken – und hoffen wieder sehr auf die Großzügigkeit unser Leserinnen und Leser.

„Leider war es unserem Träger aufgrund der jährlichen Kürzungen der Kostensätze nicht möglich, die Wohnräume ausreichend zu renovieren“, schreibt etwa der Jugendhilfeträger „Gefa“, der betreute Wohngemeinschaften für benachteiligte Jugendliche unterhält. Dreizehn dieser ausgewählten Projekte stellen wir ab heute in unserer Serie „Menschen helfen!“ jeden zweiten Tag bis Weihnachten vor – stellvertretend für alle anderen.

Auffallend viele Bewerbungen bekamen wir auch von Vereinen, deren Arbeit für die Gesellschaft infolge der neuen Umweltzonenverordnung gefährdet ist. „Wir können beide 20 und 17 Jahre alten Fahrzeuge nur noch im nächsten Jahr mit einer Ausnahmegenehmigung einsetzen“, schrieb etwa Volker Hedemann von Spielwagen e. V.

Alle 270 Bewerbungen haben wir eine Woche lang genau studiert und bewertet. Und wir haben uns bemüht, verschiedene Träger in verschiedenen Brennpunkten der Stadt zu berücksichtigen. Den Schwerpunkt setzen wir wegen der aktuellen Entwicklung bei der Familien- und Jugendhilfe. Wir unterstützen aber auch Initiativen für missbrauchte Frauen, für Behinderte, sterbenskranke sowie autistische Kinder, für Migranten, für Alte, für Opfer von Pädophilie und Menschenhandel. Viele Kitas und Schulen baten um Unterstützung – wir beschieden die Bewerbung der Dachverbände der Schulfördervereine positiv, um Synergien zu nutzen. Ebenso bevorzugten wir Projekte, die Netzwerke knüpfen oder die in mehreren Bezirken in mehreren Einrichtung aktiv sind. So kann mit einer Finanzspritze vielerorts geholfen werden.

„Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden wir im kommenden Jahr nicht weiter vom Quartiersmanagement gefördert“, steht im Bewerbungsbrief des Kreuzberger Ausbildungs- und Antigewaltprojektes „Protection 05“. Und auch das etablierte Ehrenamtlichenprojekt für junge Migranten im Brennpunktkiez Morusstraße steht vor dem Aus. Doch der Tagesspiegel kann leider nicht alle Hilferufe erhören.

220 000 Euro haben unsere Leser im vergangenen Jahr für die Weihnachtsaktion gespendet, doch es wären Millionenbeträge notwendig. Bei der Senatssozialverwaltung hieß es dazu, dass der Senat den Bezirken im nächsten Jahr sogar 36 Millionen Euro mehr für den Sozialetat zur Verfügung stelle. Doch in den Bezirkshaushalten haben dennoch oft jene Projekte das Nachsehen, die nicht per Gesetz verpflichtend angeboten werden müssen. „Die sozialen Entwicklungen der vergangenen Jahre führten zu einer immer deutlicher werdenden Verschiebung der Armuts- und Bedürftigkeitsgrenze“, die Auswirkungen werden „in der täglichen Arbeit dramatisch sichtbar“, so schildert Helga Schick von der Gesellschaft „Mut“ für Obdachlose die Zustände.

In vielen Zuschriften wird der Tagesspiegel als „gesellschaftlich engagiertes Unternehmen“ benannt und dafür gelobt. Wir geben diese Blumen an unsere Leser weiter, denn nur dank Ihnen können wir stark sein für Schwache. „Dafür sind wir den Lesern und Mitarbeitern des Tagesspiegels unendlich dankbar“, schrieb auch die Sprecherin der Berliner Stadtmission, Ortrud Wohlwend. In diesem Jahr bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch um Unterstützung für die Stadtmission-Krankenstation für Obdachlose.

Bitte helfen Sie uns wieder dabei, helfen zu können. Herzlichen Dank.

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