Spendenserie - Menschen helfen! : Spielend lernen

Die Weddinger Initiative für Familienhilfe berät Eltern bei der Erziehung: Die zehnte Folge der Spendenaktion „Menschen helfen“.

Karin Schädler
Backe, backe Plätzchen. Zeit, durchzuatmen – für Eltern und Kinder: ein Adventsnachmittag bei der Initiative Familienhilfe in Wedding. Foto: Thilo Rückeis
Backe, backe Plätzchen. Zeit, durchzuatmen – für Eltern und Kinder: ein Adventsnachmittag bei der Initiative Familienhilfe in...

Berlin - So schnell wie bei der Super-Nanny geht das nicht. „Die hat ja nur eine Sendung Zeit, um alle Probleme zu lösen“, sagt Christina Below lächelnd. Die pädagogische Leiterin des Vereins „Initiative für Berliner Einzelfall- und Familienhilfe“ (IBEF) in Wedding weiß aus Erfahrung, dass es länger dauert, eine Familie zu unterstützen. Die Probleme seien jedoch oft ähnlich gelagert wie in der RTL-Sendung, in der eine prominente Pädagogin Familien hilft. „Auch bei unseren Familien gibt es meist starke Konflikte zwischen Eltern und Jugendlichen“, sagt Below. Die Eltern hätten häufig nicht gelernt, Grenzen zu setzen und konsequent zu sein. Die Sozialhelfer versuchten dann, Regeln aufzustellen, an die sich alle Familienmitglieder halten.

Familien zu helfen, die allein nicht zurechtkommen, ist das Hauptarbeitsfeld der 18 Vereinsmitarbeiter. Dazu gehen sie – meist im Auftrag des Jugendamtes – in die Familien und beobachten, geben Hilfestellungen, beraten. In einigen Familien sei auch körperliche Gewalt oder Alkoholsucht ein Problem, sagt Below. Manchmal sei die einzige Lösung, dass eine Person die Familie verlässt, dass etwa Jugendliche in eine Jugendeinrichtung ziehen.

Die Einzelfallhilfe wirkt, aber die Sozialhelfer kommen immer erst in die Familien, wenn die Probleme bereits da sind. „Dabei wollen wir nicht nur heilen, sondern auch im Vorfeld etwas tun“, sagt Below. Immer wieder zeige sich in der Familienhilfe, dass Eltern nicht wissen, wie sie ihre Kinder beschäftigen sollen, sagt IBEF-Geschäftsführer Ingo Siegert. „Das kann daran liegen, dass sie selbst als Kinder nicht viel gespielt haben oder auch dass es ihnen peinlich ist.“ Ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, falle vielen Eltern schwer. „Sie hatten vielleicht selbst in der Schule Probleme und können sich keinen Nachhilfelehrer leisten“, sagt Siegert. Deshalb möchte der Verein einen Spielenachmittag und einen Hausaufgabennachmittag für Eltern und Kinder gemeinsam anbieten, und dafür hat man sich einiges vorgenommen.

Beim Spielenachmittag wird heute gebacken. Der zweijährige Abdoulaye sieht beeindruckt seiner Mutter zu, die Plätzchen mit Zuckerguss bestreicht. Die 29-jährige Annika Diakhate ist über ein Projekt für Frauen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt mit dem Verein in Kontakt gekommen. Hilfen zur Erziehung benötigt sie nicht, freut sich aber dennoch über das Angebot. Noch eine andere Mutter ist da, die anderen haben ihre Kinder abgegeben, ohne selbst dazubleiben. „Wir müssen langsam anfangen“, sagt Siegert. Zunächst müssten die Eltern die Scheu verlieren. Viele der Kinder hätten zu Hause nicht genügend Ruhe für Hausaufgaben. Deshalb wollen die Mitarbeiter in den Vereinsräumen einen exemplarischen Arbeitsort einrichten. „Wir wollen vorführen, warum es für die Kinder wichtig ist, für Hausaufgaben Ruhe und Ordnung zu haben“, sagt Below. Für diesen Arbeitsplatz und eine bessere Ausstattung des Spielraums hofft der Verein auf Spenden der Tagesspiegel-Leser. Man habe zwar viele Spiele, doch die meisten seien nicht komplett. Unter anderem müssten Regale, Stühle, Teppich, Kinderbücher und ein Computer gekauft werden.

Abdoulaye schaut nun den älteren Kindern zu, die gerade Plätzchen ausstechen. Seine Mutter sagt: „Hier kann ich mal durchschnaufen.“ Karin Schädler

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