Spendenserie - Menschen helfen! : Wo sich Mutter und Kind geborgen fühlen

Das Projekt "Dyade" berät Eltern nicht nur in Krisen, sondern bietet ihnen auch zeitweilig Unterkunft. Wir stellen das Angebot vor – in der siebten Folge der Spendenaktion "Menschen helfen".

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Engagiert. Das Dyade-Team um die psychologische Fachleiterin Agnes Metzger (r.), Projektleiterin Kerstin Hartung (M.) und Sozialarbeiterin Antonia Jacobi.
Engagiert. Das Dyade-Team um die psychologische Fachleiterin Agnes Metzger (r.), Projektleiterin Kerstin Hartung (M.) und...Foto: Mike Wolff

Lange Zeit hatte sie wie eine Maschine funktioniert. Doch nach 13 Monaten war die junge Frau am Ende: Sie rief den Notarzt. Weil ihr Kind ein Schreibaby war und jede Nacht brüllte, bis zu 16 Mal. „Ich konnte nicht mehr“, erinnert sich die zierliche Frau, die nach dem Mittagessen mit ihrem Sohn in der geräumigen Wohnküche sitzt. Ihren Namen möchte sie lieber nicht in der Zeitung lesen. Beide sehen sehr zufrieden aus – die Mutter drückt den Kleinen an sich, der sich schon auf den Mittagsschlaf freut.

Ein paar Meter weiter in der hellen Altbauwohnung liegt das Zimmer, in dem sich Mutter und Kind in den vergangenen Monaten erholen konnten – zur Verfügung gestellt hat es die „Dyade“: So heißt das Projekt, das der psychiatrische Verbund Prenzlkomm seit 2008 in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg betreibt. Der Begriff „Dyade“kommt aus der Psychologie und steht für eine intensive Zweierbeziehung – zum Beispiel die von Mutter und Kind.

Im Fall der Betroffenen, die in Krisenzeiten in einem der drei Altbauzimmer des Projekts unterkommen können, besteht die Familie meist nur noch aus Mutter und Kind. „Viele Frauen haben kein Netz, das sie auffängt“, sagt die psychologische Fachleiterin Agnes Metzger. Oft hätten die Frauen schon vor der Geburt nur wenige Sozialkontakte. „Dann kann man mit einem Neugeborenen ganz schön einsam sein“, sagt Metzger. Zudem seien die Mütter aufgrund einer Krisensituation vorübergehend nicht in der Lage, für sich und ihr Kind ausreichend zu sorgen. In der „Dyade“ können sie bis zu drei Monate bleiben. Rund 90 Anfragen von Betroffenen hat die Einrichtung in diesem Jahr bekommen. Vor allem vor Weihnachten steigt die Zahl. Elf Frauen wurden 2010 mit ihren Kindern von der „Dyade“ aufgenommen. Die Kriseneinrichtung steht aber auch Männern und ihren Kinder offen, bislang hat aber noch keiner das Angebot wahrgenommen.

„Die kleine Familie wird bei uns entlastet und stabilisiert“, erklärt die Projektleiterin Kerstin Hartung. Ein Team aus Ärzten, Sozialarbeitern, Erziehern und Pädagogen unterstützt die Mütter bei der Krisenbewältigung, eine Hauswirtschafterin kümmert sich um die Verpflegung. Unterstützt wird die Einrichtung auch von Praktikantinnen und jungen Frauen, die hier ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. In der „Dyade“ können die Mütter sich auch über weiterführende Angebote wie Therapien, Ärzte oder Eingliederungshilfen informieren und so ein neues Netz knüpfen. „Die Mütter müssen sich gehalten fühlen, damit sie ihre Kinder halten können“, sagt Agnes Metzger.

Damit die „Dyade“ weiter helfen kann, bittet das Team die Tagesspiegel-Leser dringend um Spenden. Finanziert werden soll damit die Miete für eines der Zimmer, außerdem ein Teil der Ausstattung: „Wir brauchen unter anderem eine Wickelkommode und ein Babybett“, sagt die Sozialarbeiterin Antonia Jacobi.

Bislang finanziert sich das Projekt aus Spenden und Stiftungsgeldern, in Einzelfällen kommt auch Unterstützung vom Sozial- oder Jugendamt. „Viele Frauen haben allerdings Angst, Kontakt mit dem Jugendamt aufzunehmen“, sagt Agnes Metzger. Sie befürchteten, dass ihnen ihr Kind weggenommen werde.

Die junge Mutter, deren Kind früher so viel geschrien hat, wird mit ihrem Sohn bald in eine eigene Wohnung umziehen. Sie konnte neue Kräfte sammeln, weil ihr Sohn in den Nachtstunden von den Mitarbeitern der „Dyade“ betreut wurde. „Dieses Projekt war für uns beide ein echter Glücksgriff“, sagt die junge Frau. Und auch, dass sie nicht weiß, was sonst passiert wäre. Rita Nikolow

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