Berlin : Spiegelverkehrt

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Von Andreas Conrad

Die moderne Arbeitswelt zeichnet sich durch zunehmende Spezialisierung aus. Vorbei die Zeiten der begnadeten Generalisten, der Multitalente und Hansdampf-in-allen-Gassen. Der Mensch der Gegenwart tut gut daran, sich auf eine Sache, eine Fähigkeit zu konzentrieren, und sei es das Anziehen von Schrauben wie einst der große Charlie in „Moderne Zeiten“. Auch vor dem Einzelhandel macht der Trend nicht halt, man darf den offenbar im Kfz-Ersatzteilverkauf tätigen Mann, dessen besonderer Erwerbssinn jetzt in Lichtenberg Furore machte, diesbezüglich also ohne weiteres als Branchenführer bezeichnen: Mit einem Mitarbeiter befreite er 80 Autos von ihren Außenspiegeln und legte sich, so der amtliche Befund, ein Warenlager von 139 Spiegeln zu. Mancher Kundenwunsch hätte damit befriedigt werden können, woraus nun nichts wird. Ein anderer Aspekt des Vorgangs irritiert freilich weitaus mehr: In der reinsten Form wendet sich die Spezialisierung der Arbeit um und kehrt zu den Anfängen des menschlichen Erwerbslebens zurück – dem Sammeln und Jagen.

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