Berlin : Spieglein, Spieglein im Foyer: Komische Oper teilsaniert

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Wenn am Sonntag „Madame Butterfly“ zur Premiere lädt, begeht auch das Foyer der Komischen Oper an der Behrenstraße eine Premiere. Die Besucher dürften zunächst über den großen Publikumsandrang staunen. Beim zweiten Blick werden sie merken, dass sie sich leicht verdunkelt mindestens doppelt und dreifach sehen – das neue Foyer ist auf drei Seiten von oben bis unten verspiegelt.

Stammgäste werden die neu und anthrazit gefärbte Decke kaum wiedererkennen, sich über ungewohnte Ledersitzbänke wundern. „Mit verblüffend minimalen Mitteln“, 100 000 Euro, hat der Architekt Stephan Braunfels dem Foyer ein neues Aussehen gegeben. Braunfels, der unter anderem die Berliner Bundestagsneubauten entwarf, ist als Opernliebhaber oft Gast im Haus an der Behrenstraße. Das Foyer mit den Kugelleuchten aber fand er bislang recht hässlich. „Die Decke verfleckt, verfärbt, marode“, an den Wänden störten ihn die „modrigen Akustikplatten“. Braunfels wandte sich mit eigenen Ideen an das Opernhaus, fand dort offene Ohren, bekam aber auch den Hinweis, dass die Kassen für eine Renovierung leider recht leer sind.

Aber mit Hilfe von Sponsoren, privaten Förderern und Firmen, die gut die Hälfte beisteuerten, ließ sich doch viel erreichen. Die leicht getönten Spiegelwände wiederholen die prächtige Architektur des Treppenhauses, die neobarocken Arkaden, ins Unendliche. Die Spiegel bilden eine harte Wand, die der Akustik dient. Denn im Foyer sind oft kleinere Konzertveranstaltungen im Programm. „Foyers“, sagt Braunfels, „spielen eine große Rolle. Sie sind öffentlicher Raum, gehören zum Gesamtkunstwerk Oper.“

Unter den drei Berliner Opernhäuser hat die Komische Oper als einzige noch einen originalen historischen Zuschauerraum. Der Krieg zerstörte die alte Fassade und das Foyer, das später zu Ost-Berliner Zeiten bescheiden wieder aufgebaut, später unzureichend renoviert wurde. Es zehrte vom Schmuck des alten Treppenhauses. Nun kann das Foyer, im Rahmen eines Umbaus in den sechziger Jahren vom Architekten Kunz Nierade erweitert, mehr mithalten.Es wirkt trotz der Spiegel sogar etwas intimer. C. v. L.

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