Berlin : Spielen wie ein Samurai

Die japanische Botschaft richtet das erste Go-Turnier aus

Elisabeth Binder

Kreuzworträtsel fragen manchmal nach einem asiatischen Brettspiel mit zwei Buchstaben. Die richtige Antwort heißt „Go“. Und an diesem Wochenende gibt es zum ersten Mal ein Turnier dazu in der Japanischen Botschaft mit 64 Teilnehmern. „Das ist wirklich eine große Ehre für uns“, sagen Marius Schneider und Andreas Urban vom Berliner Go-Verband. Der 20-jährige Informatikstudent und der 46-jährige Krankenpfleger sind im Vorstand des Verbandes, dem 300 Go-Spieler angehören. Im großen Saal der Botschaft bereiten sie unter der ovalen Neonbeleuchtung die Tische vor für das Brettspiel, das man zu Zweit, in Ausnahmefällen auch mal zu Viert spielt. Go ist ein Gebietsspiel, bei dem die Spieler mit schwarzen beziehungsweise weißen Steinen versuchen, Areale abzustecken. Am Ende siegt derjenige, der das größte Gebiet gewonnen hat.

„Bei diesem Spiel ist ein einzelner Fehler nicht so fatal wie beim Schachspiel“, sagt Kazuya Otsuka von der Botschaft. Man hat immer die Möglichkeit, ihn wiedergutzumachen. Er selbst spielt sowohl Schach als auch Go. Auch Botschafter Toshiyuki Takano spielt gern mal eine Runde.

Marius Schneider hat das Schachspielen aufgegeben, als seine Oma starb. Übers Internet kam er aufs Go-Spiel, traf auf der Leipziger Buchmesse zufällig einen echten Könner, der für ihn zum Lehrer wurde. Andreas Urban las vor 25 Jahren in Thüringen ein Buch über Go, das ihn nicht mehr losließ. „Damals konnte ich es nicht nachspielen.“ Das hat sich geändert. Die Fans kommen aus allen Berufsgruppen, obwohl die Spielbeschreibung ein bisschen so klingt, als ob es sich besonders für Manager eignete. Es herrscht nämlich ein ständiges Geben und Nehmen, und man muss immer bereit sein, gewonnenes Terrain wieder aufzugeben, um es einzutauschen gegen einen anderen Vorteil. Mönche, Samurai und Mandarine haben das 1500 Jahre alte Spiel zu einer Kunst weiterentwickelt.

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