Berlin : Spielend sicher

Bessere Noten für Kinderspielplätze: Defekte Geräte werden aber häufig abgebaut – und nicht ersetzt

Matthias Oloew

Die Sicherheit auf den Berliner Spielplätzen hat sich deutlich verbessert. „Das Verletzungsrisiko ist zurückgegangen“, sagt Wolfgang Rüttinger vom TüV Berlin-Brandenburg. Nach seinen Angaben habe es im vergangenen Jahr wesentlich weniger Unfälle gegeben, „und das waren vor allem kleinere Verletzungen“.

Noch vor zwei Jahren sah das anders aus. Unfälle von Kindern häuften sich, weil bei den Spielgeräten Bretter morsch waren oder Schrauben herausschauten, anderswo konnten sich Kordeln verfangen. Für eine Untersuchung im Auftrag der Zeitschrift Öko-Test hatte der TüV im vergangenen Jahr bei jedem fünften Berliner Spielplatz Mängel festgestellt.

Besser geworden sind die Spielplätze aber nicht unbedingt. Der Grund für den erfreulichen Wandel: „Defekte Spielgeräte werden jetzt viel schneller abgebaut“, sagt Rüttinger, der zusammen mit seinen acht Kollegen über 4000 Spielplätze in Berlin und Brandenburg regelmäßig überprüft. Wenn nun kaputte Geräte schneller aus dem Verkehr gezogen werden, ist das gut für die Sicherheit, aber nicht unbedingt für die Attraktivität eines Spielplatzes. Für Ersatz ist in den meisten Bezirken nämlich kein Geld da.

Da kam die Initiative des Milch-Konzerns Campina wie gerufen. 50000 Euro spendete die Firma, um sechs Plätze zu modernisieren. Am kommenden Freitag gibt es ein Kinderfest zur Eröffnung am Humannplatz in Prenzlauer Berg. Die Resonanz auf die Aktion hat die Initiatoren überrascht. „Wir hatten über 200 Bewerbungen“, sagt Elfie Amend, die für Campina die Aktion betreut. Die Jury wählte Spielplätze aus, um die sich Eltern und Kinder besonders bemühen. Amend: „Wir haben das Engagement um einen Spielplatz hoch bewertet, damit sich auch jemand nachhaltig verantwortlich fühlt.“ Neue Spielgeräte wird es auch für die Plätze an der Grimmstraße in Kreuzberg, Rheingaustraße in Friedenau, Drontheimer Straße in Wedding, Wittenauer Straße in Reinickendorf und der Waldenserstraße in Moabit geben. „Die Spielgeräte sind bestellt“, sagt Amend, „in vier Wochen sind alle aufgestellt.“

In der Beurteilung des TüV-Experten Rüttinger kommen die Bezirke Reinickendorf und Köpenick besonders gut weg. Schlechte Noten gibt es für Spandau und Steglitz-Zehlendorf. „Wir haben für die Unterhaltung der Spielplätze nur noch 80000 Euro pro Jahr“, sagt zur Erklärung der Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) im Rathaus Zehlendorf. Das reiche nicht, um auf allen 149 Spielplätzen des Bezirks defekte Geräte auszutauschen. Neue Spielplätze leiste sich der Bezirk nur noch in Ausnahmefällen, obwohl es zum Beispiel in Wannsee durchaus Bedarf gebe.

Das Kinderhilfswerk fordert unterdessen, Schulhöfe und ihre Sport- und Bolzplätze am Nachmittag zu öffnen. „Es gibt zu wenige Spielräume für ältere Kinder“, sagt Holger Hofmann vom Kinderschutzbund, „das würde Berlin keinen Euro an Investitionen kosten.“

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