Berlin : Spielergrüße aus Moskau

Sean Connery erhält heute für sein Lebenswerk den Europäischen Filmpreis in der Treptower Arena. Seine neueste Arbeit ist ein 007-Computerspiel

Andreas Conrad

Heute mal keinen Wodka-Martini, weder geschüttelt noch gerührt. Die Schiebermütze, den grünen Lodenmantel mit der silbernen Friedenstaube am Revers hat Sir Sean Connery abgelegt, behaglich seufzend versinkt er in dem schwarzen Ledersessel, greift nach den Erdnüssen und bittet um einen Scotch Soda, ohne Eis. Soeben ist er aus London eingeschwebt, war zuvor in Barcelona, wo er ein Spiel von Ronaldinho & Co. gegen ein israelisch-palästinensisches Team besuchte, Zwischenstation auf dem Weg von seinem Haus auf den Bahamas ins kalte Berlin. Stars wie Juliette Binoche, Audrey Tautou, Daniel Auteuil oder Ulrich Matthes sind für den Europäischen Filmpreis bislang nur nominiert, Connery aber hat die Ehrung für sein Lebenswerk bereits sicher, heute Abend in der Treptower Arena. Das gab ihm gestern Gelegenheit, in der Otto-Lilienthal-Lounge des Flughafens Tegel mit einer kleinen europäischen Journalistenrunde – eine Italienerin, eine Französin, ein Norweger und eben einer aus Berlin – über dieses Leben ein wenig zu plaudern, wozu eben auch Niederlagen gehören.

Zum Beispiel diese vermaledeite Autobiografie, an der er jahrelang gesessen hat, bis er das Projekt entnervt aufgab. Bei der Recherche sei er auf so viele unkorrekte Behauptungen über ihn gestoßen. Wollte er die alle gerade rücken, würde es ihn für den Rest des Lebens beschäftigen. Zwar sei das Honorar verlockend gewesen, aber jetzt schlafe er wieder besser.

Doch nun muss er erstmal ein Machtwort sprechen. Am Nachbartisch sind Lady Micheline Connery und der übrige Tross selbst ins Plaudern geraten, langsam ist der Geräuschpegel gestiegen, nun ist die Toleranzgrenze erreicht: „Könntet ihr bitte etwas ruhiger sein? Hier sitzen schließlich Profis zusammen.“ Das alte Schottengesicht grinst, Humor blitzt aus allen Falten, er meint das ja auch nicht streng, aber es wirkt.

Zwei Jahre ist es her, dass Connery in Berlin seinen letzten Film vorstellte, „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, sicher kein Werk, das zur heutigen Ehrung viel beigetragen hätte. Bei seinen Filmen ist er jetzt sehr wählerisch geworden, akzeptiert eigentlich nur noch „ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann“. Das Neueste führte weit zurück in die eigene Vergangenheit, aber wer wüsste nicht besser als Connery: „Man lebt nur zweimal“. Über zwei Jahrzehnte ist es her, dass Connery zum letzten Mal James Bond war, in dem „Feuerball“-Remake „Sag niemals nie“. Danach gab es immer mal wieder Gerüchte, dass er in einem 007-Film auftreten solle, zudem machten sich Regisseure und Drehbuchautoren einen Spaß daraus, in Connerys Filmen auf seine berühmteste Rolle als Geheimagent Ihrer Majestät anzuspielen. Und nun ist er es tatsächlich wieder – als Stimme in einem brandneuen Videospiel für Sonys Playstation 2: „Liebesgrüße aus Moskau“.

So hieß schon der zweite Bond, 1963 gedreht, nach seiner Meinung „einer der besseren Bonds“, noch nicht so überladen mit Special Effects, daher hat ihn der Vorschlag, noch einmal 007 zu sein, sofort interessiert. Da das Spiel die gleichen Elemente verwende wie der Film, war es für ihn leicht, sich in die Welt der frühen Sechziger zurückzuversetzen, und die Stimme, so hat man ihm bestätigt, hätte ohnehin auch zu einem Jüngeren gepasst. Die Spielergemeinde muss das überzeugt haben. In den USA jedenfalls, erzählt Connery, war die Reaktion fantastisch. Aufgenommen wurde alles – immerhin 300 Textzeilen – auf den Bahamas, in dem Studio, mit dem er dort immer arbeitet. Er selbst hat das komplette Spiel noch nicht gesehen, konnte es nicht ausprobieren, aber es sei ja auch eher etwas für die Jüngeren, Experten wie seinen zehnjährigen Enkel etwa.

Sein James-Bond-Erbe sieht Connery bei Daniel Craig, dem künftigen 007, in guten Händen: „Eine sehr gute Wahl.“ Der neue Film „Casino Royal“ solle ja, was er so höre, wieder näher an die Fleming-Bücher herangeführt werden, die allerdings ohne jeden Humor seien. Humor aber sei für die Filme unabdingbar, und er hoffe sehr, das dieses Element doch erhalten bleibe.

Und dann ist die Frist für die kleine exklusive Runde auch schon fast wieder abgelaufen. Noch rasch ein paar Sotisen des bekennenden Schotten für die Ablösung seiner Heimat vom United Kingdom, das nur so heiße, aber Schottland, England, Irland und Wales seien nicht gleich, entschieden werde nur in Westminster. Dazu lobende Worte für den Preis, der ihm heute verliehen wird und ihn sehr ehre, für die Europäische Filmakademie, die bereits eine große Kraft darstelle, dann ist Zeit für den Aufbruch. Zurück bleiben eine fast volle Schale mit Erdnüssen und ein nur halb leeres Glas Whisky Soda on the rocks. Vielleicht wäre ein Wodka-Martini doch besser gewesen.

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