Berlin : Spielerische Annäherung

Fest für Flüchtlinge und Anwohner in Reinickendorf.

Lachende Kinder mit bunt bemalten Gesichtern, einen Luftballon in der Hand oder ein gelbes Quietschentchen der Wasserbetriebe – sie kommen aus Tschetschenien, Afghanistan oder Somalia, von wo sie mit ihren Eltern geflüchtet sind. Niemand hindert sie am Sonnabend beim Fest der Begegnung auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Klinik in Wittenau zu spielen. Diese Erfahrung haben sie in Berlin nicht immer gemacht.

Wenn sie im einige Hundert Meter entfernten Marie-Schlei-Haus untergebracht sind, werden sie es erlebt haben, dass Nachbarn der im Frühjahr bezogenen Asylbewerberunterkunft den Spielplatz einer Wohnanlage eingezäunt haben, damit sie sich dort nicht weiter vergnügen. Einige Anwohner haben im Juli rechtliche Schritte gegen den Betrieb des Heimes eingereicht. Sie halten die Nutzungsgenehmigung für unrechtmäßig. Rund 200 Flüchtlinge leben dort; im Mai zogen dann 500 weitere Asylbewerber in leerstehende Gebäude auf dem Gelände der Bonhoeffer-Klinik ein.

Inzwischen aber gebe es viel Hilfe aus der Nachbarschaft, sagt der Reinickendorfer Sozialstadtrat Andreas Höhne (SPD). Auf Diskussionen mit einigen wenigen, die die Unterbringung von Flüchtlingen in Wohngebieten ablehnen, lasse er sich nicht ein: „Solche Äußerungen sind inakzeptabel.“ Auch der Bezirk Reinickendorf hatte sich anfangs schwer getan, Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen; er musste vom Senat und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales unter Druck gesetzt werden. Der CDU-Abgeordnete Burkard Dregger hält persönliche Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Anwohnern für wichtig. Man müsse auf die Sorgen der Bevölkerung eingehen und klarmachen, dass Deutschland die Schutzbedürftigen aufnehme, aber nicht all jene, die das nicht brauchen.

Die Flüchtlingspolitik ist derzeit eines der größten Streitthemen in der Stadt. In Hellersdorf etwa hetzt die NPD gegen Asylbewerber. Und in Kreuzberg gibt es Diskussionen um das Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz. sik

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