Berlin : Spielgeräte, Bänke, Bäume - alles wird zerstört

Annekatrin Looss

In Berliner Parks reißen Randalierer nicht nur Papierkörbe und Bänke aus ihrer Verankerung: Häufig werden Spielgeräte abgebrannt oder Bäume und Sträucher abgesägt. Jedes Jahr entstehen Schäden in Millionenhöhe. Das beklagt nicht nur die Pankower Umweltstadträtin Ines Saager. Beispiele hat sie unzählige parat. So wurde im Sommer der Brunnen auf dem Arnimplatz zerstört. Der Schaden: 80 000 Mark. Auch das 30 000 Mark teure Holzschiff im Volkspark Friedrichshain wurde abgebrannt. Ebenso das Holzklettergerät in der Bornholmer Straße. Der Schaden hier: 25 000 Mark.

"Das sind keine Jungenstreiche mehr", sagt Saager, das sei mutwillige Zerstörung. Die Randalierer kämen mit Werkzeugen und anderem Gerät, nur um zu zerstören. Zur Sonnenburger Straße, zum Beispiel, um, wie ebenfalls im Sommer geschehen, die Zacken aus einer neu aufgestellten Steinharfe herauszusägen. Seitdem ist das Gerät unbrauchbar. Im Vergleich dazu nehmen sich zerstörte oder aus den Anlagen gestohlene Pflanzen wie Kleinigkeiten aus.

Auch der Neuköllner Umweltstadtrat Heinz Buschkowsky kennt solche Horrorgeschichten. Von abgesägten Köpfen der Holztiere auf einem Spielplatz zum Beispiel. Oder von Buddelkästen, in die Altöl geschüttet wurde. Wo der Vandalismus am schlimmsten sei, lasse sich nicht sagen. "Immer dort, wo in der Nacht Betrunkene waren, ist am nächsten Morgen irgendwas zerstört". Ein Drittel seiner knappen Mittel für die Unterhaltung der Grünanlagen hat der Bezirk fest für die Beseitigung von Vandalismus eingeplant. Dafür muss an anderer Stelle gespart werden. So wurden die meisten Beete seit Jahren nicht mehr mit Blumen bepflanzt.

In der Umweltverwaltung ist man angesichts dieser Entwicklung ratlos. So sollten Parkwachen oder Umweltstreifen über die Berliner Grünanlagen wachen. Doch haben sie längst Feierabend, wenn die Randalierer kommen. Auch eine Videoüberwachung bringe in den unübersichtlichen Anlagen nicht den gewünschten Effekt, sagt Beate Profé, Referatsleiterin für Stadtgrün beim Senat. Die vom Senat für Stadtentwicklung vor einigen Jahren gestartete Kampagne für eine saubere Stadt habe ebenso wenig Wirkung gezeigt, wie die groß angelegte Werbeaktion der BSR. Es werden weiterhin Grünanlagen zerstört und Müll in den Parks hinterlassen.

Allein in Pankow belaufen sich die Kosten für die Beseitigung von Zerstörungen auf 1,5 Millionen Mark, in der gesamten Stadt laut Senat auf 8,1 Millionen Mark. Das ist im Vergleich zu 1999 relativ wenig. Damals entstand ein Schaden von 9,1 Millionen Mark. "Da die Bezirke einfach weniger Geräte aufstellen, die zerstört werden können", sagt Profé, sei der Schaden rein rechnerisch geringer als im Vorjahr. Viele Bezirke meldeten die Schäden schon gar nicht mehr in voller Höhe. Denn mehr Geld für Reparatur bekommen sie aufgrund der angespannten Haushaltslage nicht. Das wird sich in den nächsten Jahren nicht ändern. "Die Berliner müssen mehr Zivilcourage zeigen", fordert Umweltstadträtin Saager, wenn sie schöne Parks haben wollen. "Sie müssen Augen und Ohren offen halten und helfen, die Täter zu fassen.

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