Berlin : Spielhallen-Überfall: Kassiererin hirntot

Junge Frau arbeitete in Automatenspielsalon. Polizei hat noch keine Hinweise auf Tathergang oder Täter

Jörn Hasselmann

Die junge Frau war alleine, als der Unbekannte über sie herfiel. Ein Kunde fand sie gegen 18.50 Uhr bewusstlos auf dem Boden liegend in dem Automatenspielsalon an der Wilmersdorfer Uhlandstraße. Der Mann alarmierte Feuerwehr und Polizei. Nun liegt die 24-jährige Inna G., die in dem Spielsalon arbeitete, in einer Klinik – die Ärzte haben den Hirntod festgestellt. Dies bedeutet, dass nur noch Apparate die junge Frau am Leben halten und es wohl keine Chance mehr für sie gibt.

Nach Polizeiangaben wurde bei dem Überfall eine geringe Menge Bargeld geraubt. Wann der Überfall geschah, ist jedoch noch unklar. Zeugen gibt es nicht, lebend wurde Inna G. zuletzt um 17.45 Uhr gesehen. Auch der Tathergang ist bisher nicht bekannt. Ein Tatverdacht besteht ebenfalls nicht, teilte die Kripo mit. Sie ermittelt wegen Mordes. Keinerlei Hinweise gebe es darauf, dass es sich um eine „Abrechnung“ handeln könnte, die eigentlich den Eigentümer des Salons treffen sollte. Die Geschäftsräume wurden vom Landeskriminalamt versiegelt, als Delikt ist „Mord“ auf der Siegelmarke angegeben.

Doch die Polizei hat in diesem Fall große Chancen, den Fall zu klären. Die Spielhalle an der Ecke zur Fechnerstraße wird durch eine Vielzahl von Videokameras überwacht. Ein großes Schild in der Eingangstür weist darauf hin. Die Kameras sind nicht nur in dem Laden installiert, auch die Eingangstür und der Gehweg vor dem Schaufenster – was nach dem Datenschutzgesetz verboten ist – werden gefilmt. Der Geschäftsführer des Spielsalons, Alexie K., sagte gestern, dass die Videobänder bereits bei der Mordkommission zur Auswertung sind.

Die Russin Inna G. soll erst seit Kurzem in dem Spielsalon gearbeitet haben, sagte Alexie K., wie üblich war die Frau alleine in dem Laden. K. gehören nach eigenen Angaben mehrere Spielhallen in Berlin. Wie Nachbarn erzählen, sei die Spielhalle erst vor Kurzem eröffnet worden, „Neueröffnung“ leuchtet es auch grellgelb auf dem Schaufenster.

Nähere Angaben zum Fall verschwieg die Mordkommission gestern aus „ermittlungstaktischen Gründen“, wie es hieß. Zur Art der Verletzungen wurde gar nichts gesagt. Jedoch sucht die Polizei Zeugen, die Personen „mit blutverschmierter Kleidung“ gesehen haben.

Die Kripo wendet sich vor allem an Taxifahrer mit der Frage, ob sie zwischen 17.45 und 19 Uhr am Donnerstag verdächtige Fahrgäste in der Nähe des Tatortes aufgenommen haben. Zudem werden Zeugen oder Anwohner gesucht, die zwischen 17.30 Uhr und 19.30 Uhr verdächtige Wahrnehmungen im Bereich der Spielhalle an der Uhlandstraße 106 gemacht haben.

Den langen Zeitraum erklärt die Polizei damit, dass sich der Täter möglicherweise mit der Angestellten gestritten hat und später noch einmal in die Nähe des Tatortes zurückgekehrt sein könnte. Hinweise an die 5. Mordkommission unter Telefon: 4664 911 502.

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