Berlin : Spitzen treffen

Der Amtsinhaber und sein Herausforderer schenkten einander nichts – vor 750 engagierten Zuhörern im Hotel Intercontinental.

Werner van Bebber

Zweimal haben sich die beiden schon duelliert, zwei weitere Wortgefechte stehen Klaus Wowereit und Friedbert Pflüger in diesem Wahlkampf noch bevor. Der SPD-Spitzenmann und sein Herausforderer von der CDU trafen am Montagabend auf Einladung des Tagesspiegels im Berliner Hotel Intercontinental aufeinander – und gerieten vor 750 Zuhörern zuallererst in einen Schlagfertigkeitsabtausch. Wowereit wollte Pflüger in Verlegenheit bringen und hielt ihm Zitate aus einem Pflüger-Interview mit der „Neuen Presse“ aus Hannover vor. Ihr hatte der CDU-Mann anvertraut, er wolle Hannover – „meine Geburtsstadt“ – im Herzen „heilig“ halten. Pflüger nutzte die Gelegenheit, Berlin noch mal kräftig zu loben und daran zu erinnern, dass er sich nun „ganz“ der Stadt- und Landespolitik widmen will – Wowereit drehte bei, erwähnte, dass auch sein Freund aus Hannover stamme und dass man Menschen aus Hannover also lieben könne.

Ganz so herzenswarm und hannoverfreundlich ging die vom ehemaligen Wissenschaftssenator George Turner und Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt geleitete Debatte nicht weiter. Das lag an den Themen – und daran, dass Pflüger jede Übereinstimmung mit Wowereit vermied. Hatte er vor Wochen beim ersten Duell bei der „Berliner Zeitung“ dem Regierenden gern „theoretisch“ recht gegeben, arbeitet er diesmal detailgenau und angriffslustig die Gegensätze heraus.

Pflüger ist eben nicht immer nur nett und freundlich – Wowereit merkte das beim ausgiebigen Streit über die Schulpolitik, die Einheitsschule, die flexible Eingangsstufe für Schulanfänger. Allerdings bewies der Regierende Bürgermeister, dass er in der Bildungspolitik zu Hause ist, Überzeugungen hat und sie nicht erst gerade als Wahlkampfspielplatz entdeckt hat. Die Publikumsreaktionen zeigten – auch wenn die Spitzenkandidaten für Unterstützung durch Parteifreunde und Cheerleader gesorgt hatten –, dass viele der 750 Zuhörer dem Senat ideologisch motivierte Schulpolitik unterstellen. Besser sah Wowereit aus, als es um Wirtschaft ging. Gewiss – Pflüger wurde seine Ideen los. Er kämpfte für den Flughafen Tempelhof und zeichnete das Bild vom Regierenden, dem die gute alte Industrie gleichgültig ist. Doch Wowereit hatte die Logik auf seiner Seite. „Quatsch“ sei es, irgendeiner Regierung zu unterstellen, sie lasse Investoren einfach an Berlin vorbeiziehen. Allerdings: Wenn es so einfach wäre, neue Jobs und Investoren nach Berlin zu holen, hätten es Wowereit und sein Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei/PDS) ganz sicher gemacht.

Ein Regierender Bürgermeister, der sehr gründlich werden kann, wenn ihm einer die Bilanz kleinzureden versucht, und ein Herausforderer, der um Ideen nie verlegen ist, aber nicht immer sagt, woher das Geld für seine Pläne kommen soll, – das zweite Wort- und Ideengefecht der beiden Kandidaten hat Tempo und Stimmung in den Wahlkampf gebracht. Manchmal wirkte Wowereit wie der Realist, der weiß, was nicht geht; Pflüger aber wie einer, der zu wissen vorgibt, was alles gehen könnte. Nur was die Wähler wollen, weiß keiner.

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