Berlin : Sponsor ade

Matthias Oloew

versteht den Ärger der Love-Parade-Unterstützer Das waren noch Zeiten: Aufstehen zur Mittagszeit, erst mal einen Latte Macchiato in einer szenigen Kaffeebar trinken und dann ins Büro. Natürlich eine Fabriketage, irgendwo in Mitte. Die Tischtennisplatte ist aufgebaut, der Computer läuft und die Arbeit erledigt sich quasi von alleine. So waren die Neunziger, diese Dekade, die so ewig weit weg erscheint. Damals fand jeder, der eine halbwegs originelle Internet- Adresse hatte, genügend Interessenten für alles und nichts. Sogar an der Börse.

Sogar für die Love Parade. Es waren die Boom-Jahre der Nachwende-Zeit, die das Techno-Ereignis groß gemacht haben. Geld war kein Problem. Jeder Sponsor, der sein Image verjüngen wollte, spendierte großzügig Hunderttausende für das große Tanzvergnügen. Damals hat sich niemand daran gestört, dass die Organisation des Raves chaotisch war. Das war der Geist der Zeit. Hauptsache, man war dabei.

Die Neunziger sind vorbei, die Tischtennisplatten in den Fabriketagen stehen in der Ecke. Jetzt ist Schluss mit lustig. Statt mittags mit einem Latte und einer „Nil“ zu frühstücken, sitzen diejenigen, die noch einen Job haben, früh im Büro und arbeiten. Darauf ist Verlass. Ein Satz, den die zerstrittenen Macher der Love Parade bis heute offenbar nicht für sich entdeckt haben. Dafür bekommen sie jetzt die Quittung. Sponsoring? Nein, danke.

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