Berlin : Sponsoren sollen das Strandbad Wannsee retten

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Von Tobias Arbinger

Seit Jahren bröckelt das Strandbad Wannsee vor sich hin – nun gibt es einen weiteren Lösungsvorschlag , das größte Binnenbad Europas zu retten. Die durch die Sanierung des Brandenburger Tors bekannt gewordene private Stiftung Denkmalschutz will das 1928/29 in seiner heutigen Form errichtete, denkmalgeschützte Gebäude sanieren – mit der Hilfe von Sponsoren. Zwei Drittel der dafür notwendigen, bis zu zwölf Millionen Euro stünden bereits jetzt zur Verfügung, sagte gestern Reinhard Müller vom Stiftungsvorstand (siehe nebenstehendes Interview). Mit welchen Mitteln potenzielle Geldgeber auf sich aufmerksam machen dürften, falls das Vorhaben zu Stande käme, will Müller aber nicht verraten. Das Brandenburger Tor darf der Hauptsponsor Deutsche Telekom komplett mit seinen Plakaten umhüllen.

Das Bad ist in einem erbärmlichen Zustand. Von einem mehrere hundert Meter langem Wandelgang ist nur noch ein Stahlskelett übrig. In den Wänden der Umkleidegebäude klaffen Risse, viele der gelben Klinkersteine sind verwittert, auf einer Treppe ist ein kleines Birkenwäldchen gewachsen. Vor kurzem, am Weltdenkmaltag, hatte die Architektenkammer Alarm geschlagen und gefordert, das Bad nicht weiter dem Verfall preiszugeben. Die Sanierung der ganzen Anlage inklusive Technik würde laut Berliner Bäderbetrieben (BBB) etwa 30 Millionen Euro kosten. Für die Arbeiten hatten die Betriebe bislang „keine finanziellen Möglichkeiten“, erklärte BBB-Vorstand Michael Schenk. Für die derzeit 62 öffentlichen Bäder gebe es einen ungedeckten Investitionsbedarf von rund 120 Millionen Euro. Lediglich die Instandhaltung des Wannseer Bades habe man bezahlen können. Ein „tolles Angebot, eine sehr gute Alternative“ nannte Schenk den neuen Vorschlag .

Die Stiftung würde sich ausschließlich um die denkmalgeschützten Gebäude kümmern. Ihr Konzept sieht aber auch vor, dass diese in Zukunft ausreichend gepflegt werden. „Wir wollen kein Geld sammeln und dann den Leuten, die uns das Geld gegeben haben, in 15 Jahren sagen, ,Tut uns leid, es ist jetzt wieder genauso schlimm, wie vorher‘“, sagte Müller. Wie ein solches Pflegekonzept aussehen könnte, wird derzeit noch verhandelt. Offen sei außerdem noch, ob das Strandbad-Restaurant gleich mitsaniert werden soll. Schenk zufolge könnten die Gespräche noch in diesem Sommer abgeschlossen und eventuell noch 2002 mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Abgesehen von der Offerte der Stiftung Denkmalschutz erwägen derzeit noch zwei weitere private Konsortien, ins Strandbad zu investieren. Dabei wird auch über einen Erbbaupachtvertrag verhandelt. Über Details dieser Pläne wollte sich Schenk nicht äußern. Ein Hindernis sei derzeit noch, dass die Bäderbetriebe nicht frei über die Grundstücke verfügen könnten.

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