Sportbundchef Klaus Böger : „Berlin ist eine schwierige Stadt“

Der Präsident des Landessportbunds, Klaus Böger, verteidigt die Olympia-Kampagne Berlins und zeigt sich "tief enttäuscht" vom Votum der Fachverbände für Hamburg.

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Da war er noch zuversichtlich: Klaus Böger, Präsident des Landessportbunds Berlin, vor der Olympia-Entscheidung.
Da war er noch zuversichtlich: Klaus Böger, Präsident des Landessportbunds Berlin, vor der Olympia-Entscheidung.Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Herr Böger, DOSB-Chef Hörmann hat die Entscheidung gegen Berlin mit dem „faszinierenden und kompakten“ Hamburger Olympia-Konzept begründet. Hatte Berlin das falsche Konzept?

Ich kann kein Manko am Berliner Konzept erkennen. Wenn zwei Drittel der Spielstätten bereits vorhanden sind, spricht das für Nachhaltigkeit und das olympische Erbe. Berlin entsprach der IOC-Reform-Agenda 2020 sehr wohl. Ich bin gespannt, wie das Hamburger Konzept konkret umgesetzt wird.

Die dortige Stadtgesellschaft sei „Feuer und Flamme für das Projekt“, lobte der DOSB-Chef – offenbar ein besonders schlagendes Argument gegen Berlin ...

Das ist wohl so. Berlin ist eben eine vielfältige, schwierige, auch schroffe Stadt. Wenn es um eine klar artikulierte Bürgergesellschaft geht, die sagt, was sie will – und nicht, was sie nicht will – dann liegt Hamburg vorne. Wobei eine Zustimmung von 55 Prozent für Berlin schon sehr gut ist. Aber das sind eben weniger als 64 Prozent. Ich denke, dass es ein entscheidendes Argument war, dass Hamburg bezüglich der Bürgerentscheidung mehr Sicherheit bietet.

Was an der Entscheidung hat Sie besonders überrascht?

Das Votum der Fachverbände hat mich sehr verwundert und verblüfft. Da hätte ich eine eindeutige Mehrheit für Berlin erwartet, weil wir den Verbänden in Berlin immer eine exzellente Bühne geboten haben und auch weiter bieten werden. Das hat mich tief enttäuscht.

Hat das offizielle Berlin zu wenig und zu spät für Olympia gekämpft?

Wir haben spät begonnen, das in der breiten Masse zu artikulieren. Aber wir haben mit viel Engagement herausgeholt, was rauszuholen ist – nennen Sie mir ein Projekt, das in Berlin 55 Prozent Zustimmung findet! Es ist schade, dass wir es nicht geschafft haben, die Stadt auf das Projekt zu vereinen.

Und jetzt?

Jetzt geht es darum, nach vorne zu schauen: Ich bin traurig, aber ich wünsche Hamburg das Allerbeste und viel Erfolg. Denn der eigentliche Wettbewerb kommt erst noch, der findet jetzt auf der internationalen Bühne statt.

Welche mit der Olympia-Hoffnung verbundenen Entwicklungen in Berlin wird es trotz der Entscheidung geben?

Der Senat muss jetzt zügig die Sanierung von Sportstätten in Schulen umsetzen. Auch der Breitensport muss und wird weiter unterstützt werden. Aber mit Olympia hätte es einen größeren Schub gegeben.

Die Fragen stellte Lars von Törne.

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