Berlin : Sportschützen am Ziel

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Es bleibt vorerst beim Thüringer Alleingang. In Berlin hat man die Hürden für die Sportschützen, Jäger und Waffensammler auch nach dem Amoklauf in Erfurt nicht höher gehängt. „Bei der Erteilung der Waffenbesitzkarten gibt es keine Änderung“, sagt ein Sprecher der Polizei.

Thüringen hatte nach der Tragödie angekündigt, vorerst keine Waffenbesitzkarten – wie sie der 19-jährige Täter besaß – mehr auszustellen. Die Berliner Innenverwaltung hält nichts von einem solchen Vorstoß. „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage“, sagt Sprecherin Henrike Morgenstern. Das Waffenrecht sei Bundesrecht, indem auch Ermessensspielräume „minutiös geregelt“ seien.

Das deutsche Waffenrecht gilt als eines der schärfsten der Welt. Waffenscheine werden in Deutschland ganz selten ausgestellt; nur rund 500 gibt es derzeit in Berlin. Der Besitz der Waffenbesitzkarte (WBK) ist weniger streng reglementiert. Eine WBK erhalten unter anderem auf Antrag Sportschützen, die regelmäßig an Schießübungen teilnehmen, eine Sach- und Fachkunde ablegen sowie von der Polizei als „zuverlässig“ eingestuft werden.

Die auf der WBK eingetragenen Waffen dürfen außerhalb der Wohnung nur in einem verschlossenen Behältnis transportiert werden. Waffen und Munition sind grundsätzlich getrennt voneinander aufzubewahren. Abdrücken dürfen die Schützen nur im Schießstand. Etwa 13 000 Berliner haben eine solche Erlaubnis. Nach Angaben der Polizei lagern mehr als 45 000 scharfe Waffen legal in Berliner Haushalten.

Nach der Bluttat in Erlangen wurde gefordert, den Transport der Waffen grundsätzlich zu verbieten. Dies lehnt Manfred Wolff, Sportleiter im Schützenverband Berlin-Brandenburg, vehement ab. „In den meisten Schützenvereinen gibt es keine Lagerungsmöglichkeiten für die Waffen.“ Außerdem müsse ein Sportschütze, der auf Turnieren mithalten wolle, mit seiner Waffe auch zu Hause üben. „Trockentraining vor dem Spiegel“, sagt Wolff. Er selbst verwahre seine Waffen in zwei Panzerschränken.

Etwa 8000 Schützen gehören zum Verband Berlin-Brandenburg. Ein vergleichsweise beschaulicher Verein: 491 000 Mitglieder können die Bayern vorweisen. Dass nach Erfurt viele schärfere Gesetze fordern, wird in den meisten Schützenvereinen als Hysterie abgetan. Und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) will sich noch nicht festlegen. „Im Lichte der jüngsten Ereignisse ist gründlich zu überprüfen, ob der jüngste Gesetzesentwurf den Anforderungen genügt.“kf

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