Berlin : Sportvereine müssen mehr stemmen

Höhere Eigenleistung: Senat ändert Förderung – und nicht jeder hat wie der TSV Rudow einen Christian Ziege als Sponsor

Sabine Beikler

Was macht ein Berliner Sportverein, wenn das Dach des alten Vereinshauses einzustürzen droht oder der Sportplatz schon so marode ist, dass die Leibesübungen darauf nicht ertüchtigend, sondern sogar gefährlich sein können? Also: Der Verein kann sich an die Sportverwaltung wenden und Fördermittel beantragen – oder den Bau selbst finanzieren. So hat das der TSV Rudow gemacht: Der 4600 Mitglieder starke Verein hat Sponsoren gesucht und inzwischen über 160000 Euro gesammelt. Einer der Sponsoren ist Christian Ziege, deutscher Fußballnationalspieler aus Berlin und zurzeit bei Tottenham Hotspur spielend: Er hat den Rudowern, bei denen er früher kickte, 30000 Euro für Vereinshaus und Sportplatz gespendet. Ein Glücksfall, dass Ziege seinem Verein treu blieb. Holger Thießen, Abteilungsleiter Fußball in Rudow, war sogar sein Trauzeuge.

Die Rudower haben es irgendwann aufgegeben, Gelder beim Senat zu beantragen. „Der bürokratische Weg dauert zu lange“, sagt Thießen. Das Vereinsinvestitionsprogramm der Sportverwaltung fördert den Kauf von Sportgeräten, die Unterhaltung oder den Bau von Vereinssportanlagen. Am Dienstag beschloss der Senat allerdings, den Förderschlüssel zu verändern: Bisher müssen die Vereine 20 Prozent Eigenanteil leisten, 20 Prozent zahlt das Land, und bis zu 60 Prozent wird als Darlehen gewährt. Ab 2004 sollen die Vereine um das Doppelte, also um 40 Prozent in Vorleistung gehen, 20 Prozent übernimmt das Land, und die Darlehenshöhe reduziert sich auf 40 Prozent. 2004 und 2005 stehen rund 1,6 Millionen Euro für das Programm zur Verfügung, in diesem Jahr sind es laut Sportsenator Klaus Böger (SPD) rund 1,29 Millionen Euro. Das Förderprogramm für Investitionen von Sportvereinen ist nach Meinung des Senators „sehr begehrt“. Die meisten Vorhaben wurden in den vergangenen zehn Jahren in den Sportarten Segeln (367), Rudern (284), Kanu (157) und Tennis (154) finanziell unterstützt.

Die Änderung der Förderkonditionen zwinge die Vereine zu mehr „Eigenleistung“. Notwendige Arbeiten könnten auch durch „Muskelkraft“ erledigt werden, sagt Böger. Maßnahmen, die weniger als 10000 Euro kosten, müssen die Vereine künftig selbst übernehmen.

Obwohl für Vereine der Eigenanteil erhöht wird, hat Böger die Unterstützung vom Landessportbund (LSB). LSB-Pressesprecher Dietmar Bothe begründet die Zustimmung mit „pädagogischen Maßnahmen“: Die Vereine müssten lernen, auf längere Sicht zu planen und dementsprechend „früher ansparen“. Zu den vom Senat vorgestellten neuen Förderrichtlinien gebe es keine Alternative. „Wir wissen um die leere Landeskasse. Bevor der Breitensport aber überhaupt kein Geld mehr bekommt, ist es zu rechtfertigen, den Eigenanteil zu erhöhen“, sagt Bothe.

Die Argumentation des LSB kommentiert Winfried Dibowsky, Schatzmeister des 1400 Mitglieder starken BSC Rehberge, mit den Worten: „Das ist albern. Damit sind Neubauten für die meisten kleineren Vereine kaum noch durchführbar.“ Den Vereinen gehe es so schlecht, dass sie sich neue Anlagen gar nicht mehr leisten könnten. Dibowsky ärgert sich auch deshalb, weil zwar anerkannt wird, dass die Vereine viel für die Jugendlichen machten, aber die finanzielle Unterstützung Schritt für Schritt reduziert werde.

Der BSC Rehberge ist froh, dass er sein eigenes „Investitionsprogramm“ in diesem Jahr abgeschlossen hat: „Unsere 20 Jahre sind rum“, sagt Dibowsky. Für das Klubheim erhielt der Verein damals 1,2 Millionen Mark. Die letzte Jahresrate von rund 25000 Euro hat der BSC Rehberge im Mai überwiesen.

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