Spot Light Ball in Charlottenburg : Globales Parkett im Schloss

Wenn im Schloss Charlottenburg getanzt wird, ändert sich das Leben indonesischer Großmütter. Am Sonnabend lädt die Neeru Singh zum Spot Light Ball.

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Park des Schloss Charlottenburg.
Park des Schloss Charlottenburg.Foto: Thilo Rückeis

Dass ältere Frauen mit Stipendien zu Hoffnungsträgerinnen geadelt werden, ist wohl überall auf der Welt eine große Ausnahme. Erst recht, wenn es sich auch noch um Analphabetinnen handelt. Acht indonesische Großmütter aus sechs verschiedenen Dörfern freilich durften genau das erleben. Die Wadah Stiftung wählte sie aus für einen sechsmonatigen Lehrgang in Indien.

Und nun wird am Samstagabend auch noch ein großer Ball gefeiert, bei dem die Geschichte dieser Frauen eine Rolle spielen wird. Dann nämlich lädt die Frau des indischen Botschafters, Neeru Singh, zum Spot Light Ball in die Orangerie des Schlosses Charlottenburg. Die langjährige UN-Mitarbeiterin ist so überzeugt von der Nachhaltigkeit ihres Konzepts, dass sie es in Europa bekannt machen will. Der Ball ist nur ein Anfang. Obwohl sie erst seit Januar in Berlin lebt, hat sie schon etliche Unterstützer gefunden.

An einem indischen College lernten die indonesischen Großmütter, wie man Solaranlagen installiert und wartet. Dadurch haben sich nicht nur ihre eigenen Lebensbedingungen verbessert, sondern die von insgesamt 600 Familien. Jetzt haben die Schüler Licht zum Lernen – und sind plötzlich viel besser in der Schule. Und die Dorffrauen können mehr zum Lebensunterhalt beitragen, weil sie mit Hilfe der Lampen auch abends noch Stoffe weben können. Durch ihre neu erworbenen Kenntnisse haben die Großmütter in ihren Dörfern so viel Ansehen erlangt, dass sie nun auch in wichtige Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Nicht so viel Bürokratie

Inzwischen gibt es ähnliche Projekte auch in anderen asiatischen Ländern. Nach 18 Jahren Arbeit bei den Vereinten Nationen fühlte sich Neeru Singh vor drei Jahren reif für eine Veränderung. Sie wollte nicht mehr so viel mit Bürokratie zu tun haben. Da traf sie die Indonesierin Anie Hashim Djojohadikusumo, die einer prominenten Unternehmerfamilie angehört und die Stiftung vor einigen Jahren gegründet hat. Der ganzheitliche und nachhaltige Ansatz, mit dem Unterstützer der Stiftung die Lebensbedingungen in Dörfern und Gemeinden in Indonesien, auf den Philippinen, Malaysia und Indien verbessern, leuchtete ihr sofort ein. Vor allem gefiel ihr der Schwerpunkt der Stiftung, wonach der wirtschaftliche und soziale Status von Frauen in den Gemeinden gestärkt werden soll.

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In den Städten und gebildeten Kreisen ihres Heimatlandes, glaubt Neeru Singh, sei die Situation der Frauen eher besser als beispielsweise in Deutschland, weil Frauen gleiche Bezahlung wie die Männer bekämen. Auf dem Land sehe es freilich ganz anders aus. Mädchen schlittern von der finanziellen Abhängigkeit vom Vater in die finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann und finden meist schwer oder gar nicht Zugang zu Bildung und Chancen. Die Stiftung will das ändern, nicht indem sie zuerst Geld gibt, sondern indem sie Möglichkeiten eröffnet. „Wenn ein Gemeindezentrum gebraucht wird, geben wir das Baumaterial, aber die Leute bauen es selbst, so dass es wirklich ihr Zentrum ist“, sagt Neeru Singh.

Mehr als 300 Gäste

Zum Ball am Sonnabend kommen Geschäftsleute, Diplomaten und Politiker, insgesamt mehr als 300 Gäste. Das Parkett im Charlottenburger Schloss ist gewissermaßen noch warm vom großen Staatsbankett, das Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia von Schweden dort am Donnerstag zu Ehren des Bundespräsidenten gegeben haben. Eine in Indonesien berühmte Tanzgruppe wird extra anreisen und balinesische Tänze aufführen. Auch deutsche und indische musikalische Darbietungen wird es geben, und außerdem ein internationales Menü von Ravinder Bhogal und Klaus Peter Kofler. „Am Ende machen wir Bollywood“, verspricht Neeru Singh. „Dann sollen alle Gäste mit den Tänzern tanzen.“ Fundraising für die Organisation ist nicht ihr einziges Ziel. „Wir wollen unsere Arbeit vor allem bekannter machen“, sagt sie. „Wenn die Idee gut ist, dann kommt auch das Geld.“

Neeru Singh mochte Deutschland schon, bevor sie ihrem Mann hierher folgte. Sie liebt das Grün auf dem Land. Und den Schwarzwald.

Man könne die Stiftung auf unterschiedliche Weise unterstützen, durch Geld, aber auch durch Zeit oder mit Know How. Ein amerikanisches Ärztepaar etwa habe drei Monate investiert, um die Gesundheitszentren in den von der Stiftung unterstützten Gemeinden zu verbessern. Wer sich motivieren lassen will, kann Kontakt aufnehmen. www.spotlightball.com

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