Berlin : Spott in Frankreich: Frühstück ohne Espresso

Sabine Heimgärtner[Paris]

Mit Eisbein, Sauerkraut und Erbspüree lassen sich unsere französischen Nachbarn nicht nach Berlin locken. Die deutsche Küche löst im Feinschmeckerland Frankreich leichtes Naserümpfen aus und ein Franzose, der Deutschland das erste Mal besucht hat, macht sich noch wochenlang über den Run der Deutschen auf überbordende Frühstücksbuffets in den Hotels lustig und erzählt, wie verzweifelt er sich morgens um acht die Hacken abgelaufen hat, um ein geöffnetes Café und den obligatorischen Espresso zu finden. Kulinarisch setzen die französischen Städtereise-Prospekte deshalb auf die Berliner „Kneipen“ – auch im Französischen so genannt: Ein wahrer Mythos in Frankreich, den unsere Nachbarn mit kumpelhafter Geselligkeit, lauschiger Romantik, dem beliebten deutschen Bier, aber auch mit sommerlichen Biergärten verbinden. Hackesche Höfe und Kulturbrauerei finden sich als abendliche Attraktion in vielen Kurzreise-Programmen, auch das „Tacheles“ als Beispiel für typisch chaotisches Berlin-Leben gehört zu den Vorschlägen. Tagsüber empfehlen die Reiseveranstalter vor allem die Ikonen der Berliner Vergangenheit als geteilte Stadt. Dennoch registrieren fast alle französischen Reiseveranstalter „sehr, sehr wenig Interesse an Berlin“ und an Deutschland überhaupt.

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