Berlin : Sprachkurse allein reichen nicht aus Senat legt ein neues Integrationskonzept vor

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Der Senat will auch in Zukunft eine „offensive Zuwanderungspolitik“ betreiben. Die Stärke der Stadt hänge wesentlich davon ab, „wieweit es gelingt, Berlin als Einwanderungsstadt weiter zu entwickeln“, heißt es im neuen Integrationskonzept, das gestern beschlossen wurde. Als größtes Problem wird die schlechte Bildung und die hohe Arbeitslosigkeit der Zuwanderer angesehen. Sprachkurse müssten enger mit der Arbeitsmarktförderung verbunden und der Weg in die Selbstständigkeit erleichtert werden. Auch der Übergang von der Schule in die Ausbildung sei verbesserungswürdig.

Sozialsenatorin Heidi KnakeWerner erinnerte gestern daran, dass nach 1990 ein großer Teil der niedrig qualifizierten Zuwanderer in Berlin arbeitslos geworden sei, nachdem viele industrielle Arbeitsplätze weggefallen waren. So lange sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht ändere, „droht die Gefahr, dass integrationspolitische Erfolge in anderen Bereichen wieder zunichte gemacht werden“. Die begonnenen Schulreformen werden vom Senat als wichtiger Bestandteil der Integrationspolitik begriffen. Auch die Verwaltung müsse als Dienstleister für Migranten besser werden. Das gelte vor allem für die Gesundheitsbehörden, die Altenpflege, die Ausländerbehörde, die Sozial- und Arbeitsverwaltung.

In diesem Zusammenhang kündigte Knake-Werner an, dass im Landesdienst mehr Zuwanderer angestellt werden sollen. Es fehlten sprachkundige Mitarbeiter; auch bei der Polizei und Feuerwehr. Darüber hinaus sollten die öffentlich Bediensteten die Wertvorstellungen und kulturellen Besonderheiten ihrer Kunden stärker berücksichtigen. Weitere Stützpfeiler des Integrationskonzepts sind: das Quartiersmanagement und die Förderung von Selbsthilfeprojekten; der Schutz von Frauen und Mädchen; die Anerkennung des Islam, aber auch die „entschiedene Bekämpfung des Islamismus“ und der Kampf gegen rechtsextremistische Gewalt. Das 80-seitige Integrationspapier soll zunächst im Abgeordnetenhaus und dann mit den Migrantenorganisationen, den Bezirken und mit der Berliner Wirtschaft diskutiert werden. za

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