Berlin : SPRACHREFORM

Herzhafter Neologismus. Hoppelfrühstück in einem Berliner Altersheim. Foto: dpa
Herzhafter Neologismus. Hoppelfrühstück in einem Berliner Altersheim. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Ach, liebe Leser, gleich Zank im neuen Jahr: Wie ein Ritz im Brötchen zieht sich seit Wolfgang Thierses kleiner Gebäckkunde ein teigiger Graben durch Berlin: Dabei ist es gar nicht nötig, dass zugezogene Schwaben dem Schrippen-Berliner mit Slang auf die Wecke gehen (et vice versa). Ein Kompromiss muss her, für eine gemeinsame Zukunft von Berlinern und Zugereisten. Denn siehe: Wo alle fremdeln, herrscht Frieden!

Pflaumenkutschi (Pfutschi)

Man kann sagen, dass Thierses Geißelung des angeschwäbelten „Datschi“ im – Achtung! – Prenzleberg allein deshalb richtig ist, weil es klingt, wie es klingt. Man kann auch sagen, dass die Alternative „Pflaumenkuchen“ weder schön ist noch typisch berlinerisch. Wie wäre es also, man zöge beides zu „Pflaumenkutschi“ (kurz: Pfutschi) zusammen. Und den mit Weinbrand-Cola runterspülen. Dazu ...

Fruletten

Nicht nur der Schwabe tut sich schwer, auch der Westfale fragt sich, wie man eine „Frikadelle“ „Bulette“ nennen kann. „Bier, das heißt auf spanisch Cerveza, viel zu lang für Bier“, dichtete Funny van Dannen, wir sagen: „Bulette, viel zu kurz/zu trocken/zu hart für Frikadelle“. Unser Vorschlag hilft dem zwar nicht ab, gibt der Bulette aber immerhin eine frugale Note. Womit wir beim „Fleischpflanzerl“ wären, doch bevor wir uns daran die Zähne ausbeißen, weiter zum ...

Hoppelfrühstück

„Hoppelpoppel – wat is denn düt?“ So fragt sich der Norddeutsche in Berlin. „Ach soooo, Bauernfrühstück“, heißt es, wenn der Bratkartoffelpamps auf dem Teller liegt. Bevor es zu Diskussionen kommt, wo Zwiebeln und Lauch geblieben sind: Seien wir friedliche Hasen, denn Hauptsache, es schmeckt ...

Knut!

Kommt ein Zugezogener aus der Gegend um Hannover, sagt er schlicht und öde „gut“, wenn er etwas „knorke“ findet.

Ziehen wir die beiden Worte zusammen, kommen wir auf einen Berliner Kulteisbären, dessen Name so ewig in aller Munde wäre. Gibt es ein schöneres Denkmal? Nein! Fehlt noch was? Ja!

Schrecken

Wir erinnern uns: Ursprünglich ging es in dieser Diskussion darum, dass ein Bäcker in Berlin seine „Schrippen“ als „Wecken“ deklariert. Und jetzt denken wir beim Frühstück mit – höhö – Schrecken daran, wo unsere kleine Sprachreform in diesem Fall enden könnte. Und nein, schön ist das nicht, wobei: Was einem in dieser Stadt als Brötchen untergejubelt wird ... Doch ehe hier der nächste Krach ansteht: Gutsnächtle, ihr Pipel, passt scho!

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