Sprachtrainings : Türöffner im globalen Wettbewerb

Fremdsprachen und interkulturelle Kompetenz sind Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg. Das gilt für Mitarbeiter ebenso wie für Unternehmen

von
Mehr als nur Vokabelpauken. Wer für den Job eine Fremdsprache lernt, kann diese meist sofort anwenden – etwa im Kontakt mit ausländischen Geschäftspartnern. Foto: dpa/tmn
Mehr als nur Vokabelpauken. Wer für den Job eine Fremdsprache lernt, kann diese meist sofort anwenden – etwa im Kontakt mit...Foto: dpa-tmn

Ob für den Geschäftsbericht an den Vorstand in Dubai oder für den Small Talk mit Lieferanten aus Spanien: In Beziehungen mit internationalen Geschäftspartnern sind Fremdsprachen wichtiger denn je. „Weltbürgertum gehört längst nicht nur zum guten Ton, sondern zum Unternehmensalltag“, sagt Sonja Malter, Vorsitzende des Erfahrungsaustauschrings Fremdsprachenausbildung in der Wirtschaft (Erfa), einem Zusammenschluss von Fortbildungsbeauftragten in Wirtschaftsunternehmen.

„Fremdsprachen sind nicht allein im Kundenkontakt von Vorteil, sondern inzwischen für die Kommunikation unter Kollegen unabdingbar“, sagt Malter. Etwa im Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmen Merck, für das sie als Weiterbildungsreferentin arbeitet. Die Firma beschäftigt rund 40 000 Mitarbeiter in 67 Ländern. „Viele Unternehmen organisieren eigene Sprachkurse und tragen dafür die Kosten. Das Einzige, was die Mitarbeiter mitbringen müssen, ist Motivation und ihre Freizeit.“ Immer mehr Angestellte seien dazu bereit, das Bewusstsein für lebenslanges Lernen werde größer. Employability, Beschäftigungsfähigkeit, ist das Schlüsselwort. Arbeitnehmer, die für die wechselnden Berufsanforderungen gewappnet sein wollten, müssten ihre Kenntnisse immer auf dem Laufenden halten. Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch, gehörten heute zu den Schlüsselqualifikationen im Berufsleben. Entsprechend groß sei deshalb die Bereitschaft, an Sprachtrainings teilzunehmen. Zumal ein Sprachkurs für den Job mehr ist als nur Vokabelpauken mit Karteikarten. Wer eine Sprache lernt, kann seine neuen Kompetenzen meist sofort anwenden. Davon profitieren die Lernenden nicht nur im Beruf.

Dass bei der Sprachvermittlung außer der praktischen Anwendbarkeit verstärkt auch die Persönlichkeitsentwicklung im Fokus liegt, betont auch Wolfgang Mackiewicz, Direktor des Sprachenzentrums der Freien Universität Berlin und Vorsitzender der Business Platform for Multilingualism der EU-Kommission. „Die Bildungseinrichtungen müssen sich die Frage stellen, wofür sie eigentlich ausbilden. Und ob sie junge Menschen mit Kompetenzen ausstatten, die sie auf den Arbeitsmarkt vorbereiten.“ Die Förderung von Mehrsprachigkeit sei dabei das A und O. In Deutschland werde kulturelle Vielfalt noch viel zu häufig eher als Problem gesehen denn als Chance für die wirtschaftliche Entwicklung.

Wie wichtig sprach- und interkulturell kompetente Mitarbeiter sind, belegen zahlreiche Studien. Die europäische Elan-Studie aus dem Jahr 2007 zeigte etwa, dass sprachliche und kulturelle Barrieren besonders die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Millionen kosten. Befragt wurden fast 2000 exportierende Firmen aus 29 europäischen Ländern. Elf Prozent gaben an, wegen Kommunikationshindernissen mehrfach Aufträge verloren zu haben. Die 2011 im Auftrag der EU-Kommission veröffentlichte Pimlico-Studie zeigte wiederum, dass KMU mit klaren Sprachmanagementstrategien ihren Umsatz um zehn bis 25 Prozent steigern konnten. Dabei wurden auf der Grundlage der Elan-Studie 40 Firmen ausgewählt und über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitet.

Die Ergebnisse belegen: Um international langfristig im Geschäft zu bleiben, sind Sprach- und Kulturkenntnisse des Zielmarktes klare Wettbewerbsvorteile. Doch eine Patentlösung für alle Unternehmen gebe es nicht, sagt Mackiewicz. Entscheidend für eine erfolgreiche Strategie sei die passgenaue Analyse der Aktivitäten und Ziele eines Unternehmens. „Unternehmer und Arbeitnehmer müssen selber erkennen, was ihre Bedürfnisse sind und wie sie sie am besten erfüllen können“, sagt Mackiewicz.

Nicht zuletzt ist auch die Eigeninitiative der Mitarbeiter gefragt. Beim Fremdsprachenlernen geht es schließlich um mehr als um fachliche Qualifikationen. Jede neue Sprache öffnet die Tür zu einer neuen Welt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben