Berlin : Sprayer verpfeifen - soll das belohnt werden?: Contra

Sigrid Kneist

Ein Herz für Sprayer haben in dieser Stadt wohl nur noch Exoten. Verkritzelte und besprühte Fassaden gibt es wahrhaft viel zu viele, mit Kunst hat das nun überhaupt nichts zu tun.

Wenn frisch gestrichene Wände binnen Stunden wieder beschmiert sind, dann ist das einfach Sachbeschädigung, auch wenn die Rechtsprechung das vielleicht noch anders sieht. Empörung über so viel Mutwillen ist nur verständlich. Sich als Politiker aber hinzustellen und kurzerhand eine Kopfgeldprämie für jeden erwischten Sprayer auszuloben, ist einfach nur populistisch und zudem nichts als Augenwischerei.

Wer Rechtsbewusstsein besitzt, braucht nicht den Anreiz von 100 Mark; der wird auch so die Polizei verständigen, wenn er jemanden beim Sprayen beobachtet. Die ausgelobte Belohnung appelliert allenfalls an die denunziatorischen Instinkte in Teilen der Bevölkerung. Das weckt lediglich unliebsame Erinnerungen. Sie wird aber keinesfalls dazu führen, dass auch nur ein einziger Schmierer mehr als vorher gefasst wird. Das zeigen ja schon die ersten Erfahrungen in Spandau, wo nach einem halben Jahr noch nicht einmal die Prämie ausgezahlt werden konnte. Nein, das offensichtliche Kontroll-Defizit der Ordnungsbehörden kann das Lockmittel Geld auch nicht ausgleichen.

Zudem sind es ja nicht allein die Graffiti-Schmierer, die das Berliner Stadtbild verschandeln. Es könnten einem ohne langes Nachdenken noch ganz andere Dinge einfallen: Wie wäre es denn beispielsweise mit einer Belohnung von 20 Mark für jeden gemeldeten Hundebesitzer, der die Haufen seines Vierbeiners - seit Jahren ordnungswidrig - auf dem Bürgersteig zurücklässt? Da könnte mancher aufmerksame Bürger aber ganz schnell ganz schön reich werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben