Berlin : Sprechstunde am Messestand

Gesundheitsausstellung und „Aktiv im Alter“ finden gemeinsam unterm Funkturm statt

Annette Kögel

Horst Schumski sieht man seine 76 Jahre nicht an. Kein Wunder, bei dem Wochenprogramm: „Montags, dienstags und donnerstags Schwimmen, dienstags und mittwochs Walken und Joggen, und sonnabends geh’ ich zum Nordic Walking.“ Am Freitag absolvierte er einen Messe- Marathon von Stand zu Stand: Schumski ist einer von rund 25 000 erwarteten Besuchern der dreitägigen Doppel-Schau „Gesundheitsmesse Berlin-Brandenburg“ und „Aktiv im Alter“ – und er steht mit seiner Fitness beispielhaft für immer mehr ältere Berliner. Denn Rentner sind zunehmend aktiv, interessiert, engagiert, auch weil sie länger gesund bleiben, wie die Sozialsenatorin und Messe-Schirmherrin Heidi Knake-Werner (PDS) gestern sagte.

„Es gibt immer mehr gesundheitsbewusste alte Menschen, die gern einen Euro mehr in eine gesunde Lebensführung investieren“, bestätigt Dieter Landgraf. Er organisiert die Seniorenmesse „Aktiv im Alter“ bereits zum 15. Mal. Jetzt veranstaltet Landgraf zudem die Gesundheitsmesse, auch deswegen, „weil die ältere Generation erhebliche Finanzen zur Verfügung hat, und es da einen Markt ungeahnter Möglichkeiten gibt“. Bei der Premiere dieser Schau in den Messehallen sind über 150 Aussteller aus 28 Branchen dabei, darunter 26 Kliniken.

Gedränge gab es etwa am Stand der Charité: Dort warben Experten für Alterszahnmedizin mit Fotos historischer Gebisse um Kundschaft für ihr Prophylaxe- Programm. Statt im Universitätsklinikum arbeitete Anett Reißhauer gestern am Messestand: Die 41-jährige Fachärztin für Rehabilitations-Medizin stellte eine CD für Büroarbeiter vor, auf der sie Übungen zur Vorbeugung von Rückenschmerzen finden. „Die Patienten werden zum Glück immer anspruchsvoller und haben einen höheren Informationsbedarf, weil sie sich oft übers Internet vorbilden“, sagt Frau Reißhauer.

Auf der Messe gibt es aber nicht nur CDs gegen Rückenschmerzen – sondern einen ganzen Fundus an Massagesitzen, die einem – begleitet von sphärischer Musik und Meeresrauschen – die Muskeln durchwalken und kneten. So bittet die Koreanerin Young-zu Park Ausstellungsbesucher auf die „Mingun HY-7000“-Liege, die die gelernte Krankenschwester für 2900 Euro vertreibt. Die „Yin-Yang Energie-Ringe“ kosten zwölf Euro, mit denen könne man Handakkupunkturpunkte stimulieren. Händler von Heilsteinen und Duftölen, Kurkliniken und Krankenkassen, Lieferdienste für Seniorenmenüs, altengerechte Wohnprojekte, Sportgerätehersteller – sie alle sind vertreten.

Die Grauen Panther warnen vor unseriösen Pflegeheimen, Selbsthilfegruppen haben Broschüren ausgelegt. Die meisten von ihnen sind dem Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPW) angeschlossen – wie das bundesweit einmalige Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum in der Humboldtstraße 12 in Grunewald. „Viele ältere Berliner engagieren sich politisch“, sagt DPW-Pressereferentin Elfi Witten. Deshalb unterstütze der Verband gerade ein Bildungs- und Reiseprogramm für „aktives und gesundes Altern in Europa“ (Infos: 832 29350).

Antje Koser ist vom Alter weit entfernt. Die Pankowerin ist 32 und studiert Pflegemanagement. „Ich finde die Messe interessant. Durch die Beschäftigung mit dem Alter bekommt man einen anderen Blick aufs Leben.“

„Gesundheitsmesse Berlin-Brandenburg“ & „Aktiv im Alter“, Hallen 21a/21b, Eingang Masurenallee, bis 10. Oktober täglich 10-18 Uhr, Eintritt 6, ermäßigt 4 Euro.

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