Berlin : Spree-Capital GmbH: Gewinne nur auf dem Papier

Kerstin Gehrke

Die Angebote der Spree-Capital GmbH waren verlockend. Extrem hohe Renditen bei kurzfristigen Anlagen wurden versprochen. Die Resonanz war groß: Kaufmann Bernhard S. hatte von 1993 bis 1998 mehr als 30 Millionen Mark von Anlegern erhalten. In "blühende Landschaften in Ostdeutschland" wollte der 48-jährige S. angeblich investieren und das Geld der Anleger - Beträge zwischen 300 und 300 000 Mark - vermehren. Tatsächlich aber verspekulierte er große Summen an der Börse. Gestern wurde er wegen Betruges in etwa 1500 Fällen, Untreue und Konkursverschleppung zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Im eintägigen Prozess vor dem Berliner Landgericht zeigte sich Bernhard S. geständig. Er habe bis zum Schluss geglaubt, die Gelder der Spree-Capital und der Anleger retten zu können. Für sein Finanzanlagenunternehmen sei geplant gewesen, "dass wir uns mit Darlehen an kleine Unternehmen und Immobilien beteiligen". Damit aber waren die Versprechen, die Anlegern gegeben wurden, nicht einzulösen. "Als es nicht so lief, haben wir uns auf das Börsengeschäft verlagert", sagte der ehemalige Geschäftsführer. Dort aber zeigte sich kein Erfolg, sondern die finanzielle Katastrophe. "Ich habe das sauer verdiente Geld auch von Freunden vernichtet", sagte der Angeklagte. Es sei ein Kreislauf gewesen, aus dem er keinen Ausweg mehr gefunden habe. Erst 1998, als die Geschäftsräume der Spree-Capital GmbH mit Sitz in Mitte durchsucht wurden, sei der Alptraum beendet worden. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist ein Gesamtschaden von mehr als 20 Millionen Mark entstanden. Etwa 1200 Anleger wurden um ihr Kapital gebracht.

Bernhard S., der bis Mitte der achtziger Jahre in der DDR Offizier der Luftstreitkräfte war und nach der Wende als Versicherungsmakler begann, hatte ab 1995 Bankunterlagen manipuliert und so die Spekulationsverluste verschleiert. "Ich habe Gewinne auf dem Papier herbeigezaubert", gestand der Familienvater. "Er hatte kein Glück, weil er den Anlegern zu viel versprach", hieß es im Urteil. In S. sei "ein Spieler" gewesen, der ihn nicht hat zur Ruhe kommen lassen. Die Richter sahen allerdings keinen Anhaltspunkt dafür, dass S. irgendwo im Ausland Gelder geparkt haben könnte. Nach mehrmonatiger Untersuchungshaft wurde S. bis zum Strafantritt auf freien Fuß gesetzt.

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