Berlin : Spree-Memoiren

Liebeserklärungen an einen Fluss

Carl-Peter Steinmann

Für Tom Tykwer war die Oberbaumbrücke der wichtigste Drehort in seinem Film „Lola rennt“. Immer wieder ließ er darin Franka Potente über die markante Berliner Spreebrücke hetzen. Erst bei den Dreharbeiten fiel Tykwer auf, wie breit doch die Spree im Bereich der Brücke ist, bevor sie sich, langsam schmaler werdend, weiter durch Innenstadt schlängelt.

Der Regisseur und Kameramann Gerd Conradt wollte eigentlich einen Film über die Spree von der Quelle bis zur Mündung drehen. Er besuchte die Orte am Fluss und befragte die unterschiedlichsten Menschen zu ihrem persönlichen Verhältnis zur Spree. Daraus ist eine literarische Collage geworden. 27Menschen, darunter Havelfischer, Schleusenwärter, Sportler, Wissenschaftler, Korbmacher und Künstler, hat Conradt nach ihrer ersten Erinnerung an die Spree befragt.

So erinnert sich Falk Walter, der vor zehn Jahren mit der Treptower Arena einen wichtigen Veranstaltungsort an der Spree geschaffen hat, an seine Jugend in Cottbus, die Schwierigkeiten mit dem Vater, einem Offizier der Volksarmee, und den misslungenen Versuch, mit einem Futtertrog aus Aluminium die Spree zu befahren.

Ähnlich erfolglos erging es dem Segler Jochen Schümann, der bei seiner ersten Wettfahrt auf dem Müggelsee wegen zu starkem Wind gar nicht von der Startlinie kam und umdrehte. Später lief es besser, und der Köpenicker gewann für die DDR die erste olympische Goldmedaille im Segelsport.

Der Leser kann dort beginnen, wo er das Buch gerade aufschlägt. „An der Spree“ ist kein Reiseführer mit fester Chronologie, sondern eine gelungene Liebeserklärung an die alte junge Dame – die Spree.

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— Gerd Conradt: An der Spree. Der Fluss. Die Menschen. Transit Verlag 2005,

168 Seiten, 19,80 Euro.

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