Berlin : "SpreePalais": Viel Glas und Metall für 280 Millionen

C. v. L.

Mit den Bauvorbereitungen für das 280 Millionen Mark teure "SpreePalais" gegenüber der Museumsinsel und dem Berliner Dom ist begonnen worden. Wie die in Frankfurt am Main ansässige Deutsche Sparkassen-Immobilien-Anlagegesellschaft jetzt (Despa) mitteilte, wolle man an der Burgstraße einen siebengeschossigen Büro- und Geschäftshaustrakt errichten, der als Blockrand konzipiert ist und sich zur Spree öffnet. Der Weg ins Spreepalais soll durch einen Wintergarten führen, der sich im Inneren zum glasüberdachten Atrium erweitert.

Glas soll das Bauwerk an der Burgstraße 19 bestimmen, auch viel Metall an der Fassade. Eine zweistöckige Kolonnade wird den Übergang vom öffentlichen zum halböffentlichen Bereich markieren. Läden, ein Café und ein Kasino könnten im Erdgeschoss eingerichtet werden. Insgesamt sollen Mietflächen von fast 24 000 Quadratmetern zur Verfügung stehen, zahlreiche Lagerflächen und 150 Tiefgaragenplätze.

Ganz bewusst habe die Despa, nach eigenen Angaben größter offener Immobilienfonds in Deutschland, "eines der zukunfts- und zugleich geschichtsträchtigsten Quartiere von Berlin" als Standort gewählt. Hervorgehoben werden die Nähe zum Hackeschen Mark und die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, der Berliner Dom und die Museumsinsel. Und man denkt schon an täglich 60 bis 100 am SpreePalais vorbeikommende Fahrgastschiffe, die für die Mieter des Neubaus eine besondere Attraktion darstellten, gutes Wetter vorausgesetzt.

Das Baugelände lag im historischen Berlin unmttelbar an der Stadtmauer der Spandauer Vorstadt. Das 1272 in einer Urkunde der Bäckergilde zum ersten Mal erwähnte Heiliggeist-Hospital befand sich hier. 1718 errichtete Philipp Gerlach, Hofbaumeister von Friedrich Wilhelm I., auf der Gartenfläche das Palais Montargues. Daniel Itzig, einer der reichsten und bedeutensten jüdischen Bankiers von Berlin, kaufte 1762 das Palais und ließ es durch Nebengebäude erweitern. Bedeutende Schriftsteller und Philosophen verkehrten hier, etwa Moses Mendelssohn. 1781 spendete Itzig das Gebäude der ersten jüdischen Freischule, 1856 verkaufte sein Urenkel, Georg Friedrich Heinrich Hitzig, das Palais. Es wurde 1858 abgerissen, um der Neuen Börse Platz zu machen. Die Börse wurde im Krieg zerstört, das Quartier geriet im Schatten der Museumsinsel etwas in Vergessenheit. Jetzt will ihm die Despa eine "neue Palais-Identität zurückgeben".

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