Spreepark : Techno am Tyrannosaurus

Es war still im Plänterwald . Doch das Berliner Partyvolk erobert sich den verwilderten Speepark zurück. Zwischen umgekippten Dinosauriern werden hier am Wochenende Tausende tanzen und feiern.

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Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Snapshot-Photography/Seeliger
11.08.2014 08:40Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen.

Mit offenen Maul liegt der Tyrannosaurus Rex umgekippt auf dem Boden, das Gras um ihn herum wächst immer höher. Die Achterbahnen im Spreepark sind von Rost überzogen, die Wildwasserbahn längst trocken gelegt. Stück für Stück erobert sich die Natur den ehemaligen Vergnügungspark im Plänterwald zurück. Den verwunschenen Ort neben dem Treptower Park entdecken immer mehr Veranstalter. Am Wochenende soll das Berliner Festival „Luft und Liebe“ Tausende aufs Gelände locken.

„Eine traumhafte Kulisse“, sagt Veranstalter Martin Heuser, 27, und schwärmt von der „Schönheit des Verfalls“. Die überzeichnete Architektur biete den zum Feiern nötigen Eskapismus. „Alles ist positiv konnotiert, man kannte alles schon als Kind“, sagt Heuser. Von Freitagabend, 21 Uhr, bis Montagmorgen sollen auf einem Teil des Geländes mehrere Tausend zu House, Techno und Minimal tanzen. Abseits der fünf Tanzflächen sollen Bands Gipsy, Jazz und Swing spielen, in einer Traumwelt mit Lichtkunst und Streetart, Feuerspuckern und Gauklern. Die Karten kosten 27 Euro im Netz.

Das Konzept ist ganz nach dem Willen von Gerd Emge. Emge, 62, bewacht den Park mit seiner Sicherheitsfirma kostenlos. Im Gegenzug darf er das Gelände vermarkten. Zuvor hatte er 30 Jahre lang Firmen saniert. Mit dem Spreepark hat er viel vor. „Das ist das letzte Paradies in Berlin. Ich glaube an die Zukunft und will mehr daraus machen“, sagt er und spricht von einer Mischung aus Musik, Kunst und Kultur.

Einen modernen Freizeitpark will Emge nicht. Bereits im vergangenen Jahr feierten Technofans im Spreepark, Pfingsten verwandelte ihn das HAU-Theater in den Lunapark. Im September soll das Prager Marionettentheater den Park bespielen. Fürs kommende Jahr plant Emge ein Theaterfestival, Konzerte und ein argentinisches Kulturfestival. Am liebsten würde er noch weiter im Voraus planen, ein großes Oldtimertreffen und ein Klassik-Open-Air zum Beispiel. Doch das sei schwierig, er wisse ja nicht, was mit dem Park passiere, ob und wann sich Käufer fänden. „Komplizierte Auflagen verschrecken Investoren. Alleine der Ausbau des Dammwegs und der Bau eines Parkhauses würde zwölf Millionen Euro kosten“, sagt Emge, der Interessenten aus ganz Europa durch den Park führt. Täglich bekomme er 50 Mailanfragen, meist wollen Studenten Abschlussarbeiten schreiben.

Aber auch Schausteller und Musikbands wollen kommen. Dabei gibt es keinerlei Infrastruktur auf dem Gelände, sagt Emge, keine Anschlüsse für Gas, Wasser, Strom und Sanitäranlagen. „Eine Stromleitung zum ersten Verteiler würde 15 000 Euro kosten“, sagt Emge. Um eine Lösung für den Park zu finden, will er nun selbst mit Banken und Liegenschaftsfonds sprechen.

Bis dahin werden weiterhin Veranstaltungen wie das Luft und Liebe Festival stattfinden. Seit kurzem hat der Park immerhin am Wochenende offen. Besucher können sonnabends und sonntags von 11 bis 19 Uhr im „Café Mythos“ Eis essen und mit der alten Bahn umherfahren, der Eintritt ist frei. Fast ein bisschen wie früher. Nur die Schreie aus der Achterbahn fehlen. Christoph Spangenberg

Karten und Infos auf www.berlinerluftundliebe.de, Informationen zum Park auf www.berliner-spreepark.de

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