Berlin : Spreesprung

Bernhard Schulz

feiert einen großartigen Stadtplatz Etwas fehlte noch zur Vollendung der Bundestagsbauten am Reichstag – aber dieses Bisschen ist ein Herzstück des ganzen Entwurfs. Was Axel Schultes mit seinem „Band des Bundes“ kühn aufs Papier warf, hat Stephan Braunfels unbeirrt durchgesetzt. Löbe- und Lüders-Haus grüßen einander über die Spree hinweg, für jedermann als zusammengehörig erkennbar. Und jetzt endlich ist der „Spreeplatz“ zwischen ihnen vollendet, der mehr ist als die Gestaltung der Ufer. Er ist ein Stadtplatz mit Wasserlauf in der Mitte – ein Stück Venedig in Berlin.

Der „Spreeplatz“ ist ein Geniestreich, seine Verwirklichung beinahe ein Märchen. Südländische Grandezza atmet dieser Platz, gerahmt von der ebenso strengen wie erhebenden Geometrie der aus Kreis, Quadrat und Würfel gefügten Bundestagsbauten. Dass die Spree an dieser Stelle einmal bittere Trennlinie zwischen Ost und West war, ist überwundene Vergangenheit. Jetzt grüßen sich Passanten von hüben nach drüben, erfährt sich der Souverän vor den Augen seiner Abgeordneten als Öffentlichkeit. Und wer es weniger symbolisch mag, selbst hier, im Zentrum der deutschen Demokratie, der mag den „Spreeplatz“ einfach als das Geschenk nehmen, das er städtebaulich darstellt: als einen der schönsten Plätze Berlins. Eben ein Geniestreich.

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