Berlin : Sprengstoff

Bernd Matthies

über den Wert des Semestertickets - und wie man ihn ermittelt Was ist eine Monatskarte wert? Das ist eine rein theoretische Frage, die aus der Abwägung von Kosten, BVG-Defizit und politischer Zumutbarkeit von Jahr zu Jahr pragmatisch entschieden wird, und zwar unweigerlich so, dass sie der BVG zu billig und den Fahrgästen zu teuer ist. Doch unabhängig von dieser Konstante darf man 23,50 Euro pro Monat als günstig bezeichnen – das ist jene Summe, die kürzlich bei der Abstimmung unter den Studenten von HU und FU für das Semesterticket abgelehnt wurde. Nun gibt es gar keins, und das wird teurer.

Das mag eine Randerscheinung beim Kampf gegen den vermeintlichen neoliberalen Zeitgeist sein, ist aber jedenfalls kein Wunder, wenn die Studenten die Gespräche einer seltsamen Gruppierung übertragen, deren Name „Semtix“ nicht von ungefähr an Sprengstoff erinnert. Doch muss das so sein? In Potsdam haben jetzt nahezu geräuschlos Verhandlungen stattgefunden, an deren Ende die dortigen Studenten ihr Semesterticket bekommen, und zwar für einen Preis, der aus Potsdamer Sicht auch nicht niedrig ist. Doch dort ist man offenbar so schlau, nicht jede banale Verhandlung zum politischen Fanal hochzuzwirbeln, und findet so tragbare Kompromisse.

Nur in Berlin wollten sie mal wieder schlauer sein. Diese Haltung wird allmählich zum Problem – und erklärt, warum so viele Ureinwohner inzwischen lieber in Potsdam leben mögen.

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