Berlin : Sprichwörter mit frommen Wurzeln

Gottesdienstreihe in der Passionskirche

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Sprichwörter und ihre biblischen Wurzeln sind das Thema, mit dem sich in Kreuzberg die Gemeinde der evangelischen Passionskirche in dürren Sommerwochen beschäftigen will – so gestern Pfarrer Storck zum ersten Sonntag der neuen Gottesdienstreihe unter dem Motto: „Ein gutes Wort zur rechten Zeit“ (auch am 30. Juli, 6., 13., und 20. August jeweils 11 Uhr).

Zum Auftakt mit dem Sprichwort „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu“, hatten sich gut zwei Dutzend Kirchgänger in dem romanischen Backsteinbau am Marheinekeplatz eingefunden. Auf dem bot sich mit Trödelmarkt und Frühstücksrunden im Biergarten vor der historischen Markthalle die übliche sonntägliche Szenerie, die gestern allerdings etwas unter der drückenden Schwüle litt.

Richtig kühl war es auch nicht in der Kirche, in der Sonnenblumen rechts und links des Altars leuchteten und wo im Seitenschiff eine gedeckte Kaffeetafel wartete. Bevor der Pfarrer dann versuchte, das erste Sprichwort für seine Zuhörer zu deuten, unter denen sich auffällig viele allein stehende Männer mittleren Alters befanden, stimmte der Organist mit der Gemeinde ein Lied an.

„Gott hat das erste Wort“, hieß es anfangs darin und endete damit, dass er auch das letzte Wort hat: „Gott steht am Anbeginn und er wird alles enden“. Dieses und andere Kirchenlieder aus vollem Herzen laut zu singen, war dann trotzdem der kleinen Gemeinde nicht so recht gegeben – nur deren allerjüngstes Mitglied ließ sich sehr deutlich im hohen Kirchenschiff vernehmen. Es krähte fröhlich dazwischen und auf Dauer so laut, dass die Mutter nicht warten konnte, was es denn nun mit dem Sprichwort auf sich habe, das da besagt, man soll anderen nicht das zuzufügen, was man nicht selbst möchte.

Sprichwörter verkünden Weisheiten. Sie versuchen, eine Sache auf den Punkt zu bringen, sagte Peter Storck. Was man sich wünscht, soll auch der andere bekommen. Das bedeute, stets nach einer Maxime zu handeln, die auch für alle gelten kann. So wie es auch Jesus am Ende seiner Bergpredigt sagt – jenen konkreten Anweisungen für ein Leben nach den Gesetzen Gottes. „Was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch“, formuliere Jesus da zwar etwas umständlich, meine aber ganz einfach, dass man nicht warten soll zu handeln.

Das Richtige tun, das Falsche lassen – die Tat sei gefragt, die Gutes schafft und die Welt verändert. Solches Tun nehme das Reich Gottes vorweg, sagte der Pfarrer und verwies darauf, dass Jesus im Plural rede – nicht „du“, sondern „ihr“ seid angesprochen. Mit gutem Grund – große Fragen wie der drohende Klimawechsel oder der Frieden in Nahost bedürften der kollektiven Tat. Wirklich zu handeln sei gefragt, um gegen das Schlechte anzugehen. Positives Denken allein rede die Wirklichkeit schön. hema

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